Direkt zum Hauptbereich

Strom für Brandenburg

Teslas Traum: eine Fabrik für 5000 Leute in der Nähe von Berlin

Mehr Rot in Grünheide - Tesla kommt
Normalerweise geht es im brandenburgischen Grünheide eher beschaulich zu. Einzig die alte Obstsorte "Apfel aus Grünheide" verschaffte dem 8000 Einwohner*innen zählenden Ort einstmals überregionale Bekanntheit - wohl aber eher in sehr ausgewählten Fachkreisen. Seit Anfang November ist nun alles anders. Der amerikanische Milliardär, Erfinder und Lebemann Elon Musk verkündete die Ansiedlung der ersten Tesla Fabrik in Europa genau an diesem unbefleckten Stück Erde. Ausschlaggebend für ihn sei die Liebe zu Berlin (nur wenige Kilometer entfernt) und die gute Infrastruktur (Bahnstrecke, Autobahn) gewesen. 
Einstweilen wird Tesla nachgesagt, sich im Einheimsen von Subventionen recht findig zu zeigen. Wirtschaftsminister Altmaier (CDU) winkte aber ab und beteuerte bei seiner "Erfolgsverkündungs-Pressekonferenz", es habe keine Bevorteilung für die Kalifornier gegeben, schon allein deshalb, weil das "mit dem System der Marktwirtschaft nicht vereinbar" wäre. Der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke hingegen teilte gerne aus. Die höhe der staatlichen Zuwendungen wollte der SPD Politiker jedoch nicht nennen, es bewege sich aber alles "im Rahmen des EU-Beihilferechts". Für Altmaier sind die Pläne Segen und Fluch zugleich, will er doch eigentlich deutsches Know-How in der Batteriezellenproduktion. Doch während die bundesrepublikanischen Autobauer kein Interesse zeigen, schnappt Tesla ihnen zugleich die Ingenieur*innen weg.
Für Tesla ist es die zweite Fabrik außerhalb der USA (nach Shanghai) überhaupt, in der ab 2021 Batterien, Antriebe und Fahrzeuge gebaut werden sollen. Bis zu 10.000 Arbeitsplätze mehr werden dann im Landkreis Oder-Spree, den man* bisher eher mit Gurken als mit Autos in Verbindung brachte, zur Verfügung stehen. Der 48-jährige Musk, dessen Unternehmen einen Börsenwert von 63 Milliarden Dollar vorzeigen kann, hat bereits zahlreiche Gespräche mit Bund, Land und Kommune geführt, um die Arbeiten möglichst schnell beginnen und abschließen zu können oder wie er es ausdrückte: "Wir werden definitiv ein höheres Tempo vorlegen als der Flughafen (BER).", welcher nur einige Fahrminuten entfernt liegt. Dazu wurde in der Potsdamer Staatskanzlei eigens eine Verwaltung-Task-Force eingerichtet, um die nötigen Genehmigungen rasch einzuholen. 
In der Kirche Zum guten Hirten wird es bald weniger ruhig.
Für die hiesigen Autobauer ist es ein weiterer, wenn nicht gar der letzte, Warnschuss. Tesla wird nun auch auf dem Heimatmarkt von VW und Co in die Vollen gehen und hat hierzulande seinen Absatz im Vergleich zum Vorjahr um über 250 Prozent gesteigert. Allerdings spekulieren die Expert*innen der Branche schon lange über eine Übernahme des Unternehmens, das mit Absatzzahlen im niedrigen fünfstelligen Bereich immer noch weit hinter den großen Firmen zurückliegt. 
Zunächst muss aber überhaupt erstmal ein Spaten in die Erde gesetzt werden, denn die Pläne des Space-X Gründers und Paypal-Verkäufers aus Silicon Valley waren häufig groß, es sei nur an die Ankündigung erinnert, Tesla von der Börse zu nehmen. Bisher überlebt der Elektrofahrzuegbauer einzig durch das Wohlwollen der Anleger*innen, denn seit Gründung im Jahr 2004 schreibt Tesla rote Zahlen. 
In Grünheide hingegen sehen die Menschen dem Projekt auf der grünen Wiese gelassen entgegen, wissen aber insgeheim, warum Tesla sich für den Standort entschieden hat. Im Ortsteil Kienbaum steht ein Leistungszentrum des Bundes für den Nachwuchssport und wenn Musk eines gut leiden kann, dann ist es Ehrgeiz, Kampfgeist und der Wille immer besser zu werden. 


Quelle: "Musk liegt in der Luft" F.-T. Wenzel,  "Welche Rolle spielen Subventionen?" A. Niesmann, LVZ 14.11.19, ; https://de.wikipedia.org/wiki/Grünheide_(Mark); Bilder: Von Photo by CEphoto, Uwe Aranas or alternatively © CEphoto, Uwe Aranas, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=56241423; Von Jeremy from Sydney, Australia - Tesla Model S at Dealership, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46871855

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Luft rauslassen

Die Automobile Welt in der Post-Corona-Zeit oder doch noch mittendrin. Mit jedem einzelnen der 5400 Beschäftigten, geht das Leipziger BMW-Werk wieder an den Start. Bilder wie beim Fleischverwurster Tönnies will die Betriebsleitung hier unbedingt vermeiden. Deshalb setzt der Chef des sächsischen Werkes auf umfangreiche Schutzmaßnahmen, so etwa 100 Meter Plexiglasscheiben, die sich über das gesamte Werk verteilen. Dazu kommen ein verkürztes Zwei-Schicht-System und ausreichend Abstand zwischen den Mitarbeitenden. Das hat zur Folge, dass im Moment statt den üblichen über 1000 Fahrzeugen nur 650 vom Band rollen. Die wirkliche Ursache liegt jedoch nicht in den Hygieneregeln, sondern darin begründet, dass der Absatz bei BMW um die Hälfte eingebrochen ist und das weltweit. Wann es wieder bergauf geht, kann noch nicht gesagt werden. Es hängt sicher auch von der Wirksamkeit des von der Bundesregierung beschlossenen Elektroauto-Konjunkturpakets ab.  BMW in Leipzig: Jetzt wieder mit ...

Nicht ganz sauber

Antriebsarten im Vergleich: Welche hat die beste CO2-Bilanz? Ausgehenden von den bereits erschienenen Berichten zu pluralen Fahrzeugantrieben und die Arbeit an deren Forschung und Entwicklung, geht es nun daran herauszufinden, welcher bei der Emission von Abgasen am besten abschneidet, denn nicht immer heißt Elektro besonders reinlich oder Diesel besonders schmutzig. Bisher lagen zu dieser Thematik allerdings keinerlei valide Vergleichsdaten vor, erst eine umfassende Studie des ADAC ermöglicht nun Einblicke in die Ökobilanz der Fahrzeugtypen.  In die Analyse einbezogen wurden Autoproduktion/Recycling, Bereit- und Herstellung von Kraftstoff bzw. Strom und der Verbrauch bei aktiver Fahrzeugnutzung. Berechnungsgrundlage ist eine Lebensdauer der KFZ von ca. 150.000 km. Nicht mit in die Studie einbezogen und das ist ein großes Manko, wurden der Ressourcenbedarf, sowie andere Luftschadstoffe (z.B. NOX). Nichts desto weniger erscheint die wissenschaftliche Arbeit einen Meilenst...

Fahrerloser Fahrspaß.

Wie autonomes Fahren die Welt der Mobilität verändert. In manchen Teilen Deutschlands ist die Zukunft schon real. So fahren zum Beispiel selbstfahrende Kleinbusse auf Werksgeländen umher und transportieren die Firmenmitarbeiter*innen von Halle zu Halle. Dass dies jedoch noch nicht wirklich das Gelbe vom Ei zu sein scheint, muss wohl jedem klar sein. So kommen die Fahrzeuge über 20km/h nicht hinaus und müssen ständig überwacht werden, damit auch ja kein Schaden für Mensch und Mobil entsteht. Doch 2030, so die Prognose führender Entwickler*innen könnte es dann schon soweit sein, dass diese Art von Fahrzeugen serienfähig wird. Bei dem Wettrennen um genau dieses Ziel sind neben den altgedienten Fahrzeugbauern auch Tech-Firmen wie Google, Apple oder Tesla mit von der Partie. Wenn man sich auf eine Reise ins Silicon Valley begibt, kann man die ersten Prototypen des autonomen Google-Autos schon betrachten. Was mal ein herkömmlicher Toyota-Lexus war, ist nun ein Roboter, voller Hochleistung...