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Kauflaune im Schneckentempo

Die Autoverkäufer*innen in der Krise.

Auch die Autohäuser dürfen dieser Tage ihre Pforten wieder öffnen. Doch bloß, weil jetzt wieder Wagen vom Hof rollen können, heißt das nicht, dass auch die Kundschaft den Weg in die Verkaufsräume findet. Die Absatzzahlen der Händler*innen brachen in den letzten Monaten um bis zu drei Viertel ein. Viele Unternehmer*innen sahen ihre Liquiditätsreserven sukzessive dahinschmelzen. Wer nicht gut vorgesorgt hatte, dem blieben nur ein Kredit oder die Insolvenz.  Eine Abwrackprämie, wie sie bereits vielfach von der Autolobby bei Geheimgesprächen im Kanzlerinnenamt gefordert wurden, lehnen die Autoverkäufer*innen jedoch kategorisch ab. Sie haben bereits nach der ersten Zahlung dieser Art im Zuge der Finanzkrise 2009 schlechte Erfahrungen machen müssen. So bezeichnet ein Leipziger Autohausbesitzer die Abwrackprämie als „den größten Blödsinn“. Damals hätten sich alle einen Neuwagen zugelegt und danach wäre absolute Flaute gewesen.

Viel wichtiger sei es, den…

Hinsetzen und Anschnallen.

Lange war sie verschütt gegangen, doch nun entdeckt man* sie wieder:  Die Liebe zum Auto.

Humanum und Auto - das war schon immer eine ganz besondere Beziehung. Vom Kaiser noch vernachlässigt (Treppenwitz für jeden Stehempfang der Fahrzeugindustrie: "Das Auto wird sich nie durchsetzen, es wird von vielleicht 1000 Stück geben"), wurde es dank der Massenproduktion vom VW Käfer und den extravaganten Luxuslimousinen, über die das Gros der Bevölkerung bestenfalls nur staunen konnte, neben Hund und/oder Katze zum liebsten Begleiter des hiesigen Homo Sapiens. Doch seit ein paar Jahren musste der Blechkasten unter zunehmender Vernachlässigung leiden. Anstatt, dass sich wie sonst üblich nach bestandener Matura erstmal jede*r ein Vehikel zur Belohnung kauft oder wahlweise von Vati und Mutti samt einer Flach Sekt überreicht bekommt, sind die jungen Leute von Heute anders gepolt. Gerade in der Großstadt fahren sie unerhörter Weise wie eine wildgewordene Bande mit dem Velo durch die enge…

Zwei gegen Vier

Wem gehört die Straße? Fahrrad und Auto in Zeiten von Corona und neuer StVo
Im Moment verändert sich der Verkehrsmix auf Deutschlands Straßen nachhaltig. Die Menschen auf dem Land sind sowieso schon immer mit dem Auto gefahren, aber in der Stadt, wo sich die Mobilität nachhaltig zu verändern schien, steigen nun auch wieder mehr Leute in den eigenen PKW. Das hat vor allem mit dem Wunsch zu tun, sich in Sicherheit wiegen zu können. Wer kann es auch vergrämen, dass die Bevölkerung sich ziert in ein Clevershuttle zu steigen oder ein TeilAuto zu nutzen, in dem eben noch ein*e Infizierte*r hätte Platz nehmen können.  Doch nun ist es an der Politik aufzupassen, dass sich dieser Trend nicht auch nach der Corona-Krise manifestiert. Insbesondere Bus und Bahn leiden gerade sehr unter der Situation und verlieren massiv Fahrgäste. Sie zurückzugewinnen, wenn einmal der Komfort von Individualverkehrsmitteln entdeckt wurde, wird schwer. Doch selbst wenn diese Personen aufs Fahrrad umsteigen und dami…

Stau im Depot

Wie die Autoindustrie Corona für sich nutzt
Auch bei Porsche in Leipzig läuft seit Montag die Produktion wieder. Bis Mittwoch wurden sukzessive alle Bereiche des Werks hochgefahren. Schon jetzt aber denkt der Produktionsvorstand der VW-Tochter über eine Ausweitung der Herstellung nach. Laut O-Ton haben die Mitarbeiter*innen ein prall gefülltes Auftragsbuch vor sich liegen, dass im Zweifel mit Wochenende- und Nachtarbeit abgearbeitet werden müsse. Wie passt das mit dem Klagen des Verbands der deutschen Autoindustrie zusammen, der sich erst vor wenigen Tagen zum Autogipfel mit der Bundesregierung, inklusive der Kanzlerin getroffen hatte? Und wie wird sich das auf die Beschäftigten auswirken, deren Arbeitsschutz unter dem Deckmantel der ökonomischen Krise aufgeweicht wird. Von Branchenseite heißt es eigentlich im Moment, dass die Nachfrage absolut im Keller sei und eine Staatshilfe in Form der Abwrackprämie aufgelegt werden solle. Doch insbesondere in China haben fast alle Händler neue …

Maskerade

Die Produktion in den Autowerken läuft wieder. 
Seit einer Woche läuft die Fahrzeugmontage des E-Autos ID.3 im Zwickauer Werk von VW wieder. Statt wie vor der Corona-Zeit 150 Autos pro Schicht zu bauen, sind es aktuell nur 50. Das liegt vor allem daran, dass das Band im Moment nur mit der halben Geschwindigkeit läuft, um den Abstand von 1,5 Metern zu wahren. Dieser ist überall am Boden durch gelbe Streifen gekennzeichnet, kann aber nicht immer eingehalten werden. Wo das der Fall ist, sind die Mitarbeiter*innen verpflichtet einen Mundschutz zu tragen, so etwa beim Einbau der Scheinwerfer. 
Von 8000 VW-Angestellten alleine in Zwickau konnten bisher nur 1500 wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, da im Moment nur im Ein-Schicht-Sytsem gearbeitet wird, um unnötige Kontakte zu vermeiden. Vielen Arbeiter*innen fehlte der gewohnte Tagesablauf und das Wissen darum, etwas sinnvolles tun zu können, meint der Betriebsratsvorsitzende bei VW-Zwickau Jens Rothe. So war das Werk im Erzgebirgsvo…

Alles auf Anfang

Bei den hiesigen Autobauern laufen die Bänder wieder - jedoch mit viel Gejammer
Nach Wochen des Stillstands geht es jetzt wieder los - oder besser - es rollt an. Volkswagen hat die Produktion in Sachsen und an vielen anderen Standorten wieder hochgefahren. Doch schon kommen die Hersteller bei der Bundesregierung mit dem Klingelbeutel an die Türe. Aufgrund des zwangsweisen Produktionsstopps ist den Großkonzernen der Umsatz des 1. Quartals wie Sand durch die Finger geronnen. Nun drohen, wenn man* den Worten der Autobauer glauben mag, weniger Investitionen in die wichtigen Zukunftsbereiche Digitalisierung und Elektrifizierung. Der Experte des Center of Automotive Management Stefan Bratzel warnt allerdings davor gerade jetzt wichtige Investitionen hinten anzustellen. Auch vor dem Hintergrund, dass der US-Präsident Trump gerade strengere Abgasgrenzwerte für seine Hersteller zurückgenommen hat. In Deutschland darf nicht das gleiche passieren, nicht nur, weil den Autobauern ein massiver Ima…

Unendliche Klagewege

Alle reden nur über die Corona-Krise, doch bei Volkswagen läuft inzwischen ein Verfahren zum Dieselskandal mit 463.000 Kläger*innen

Nach über vier Jahren des Bangen ist es endlich so weit. Der Prozess um den Dieselbetrug des Volkswagen Konzerns geht in die entscheidende Runde. Nachdem die Bundesregierung die Möglichkeit einer Musterfeststellungsklage auf den Weg gebracht hatte. Diese gibt Verbraucher*innenorganisationen die Chance beim Bundesjustizministerium ein Klageregister einzurichten, in dem sich alle Betroffenen eintragen können. Diese nehmen dann, vertreten durch z.B. die Verbraucherzentrale Deutschland am Verfahren teil und werden von dessen Ergebnis beeinflusst.  Das Instrument soll vor allem Jahrzehnte lange Einzelklagewellen verhindern. Allein im Dieselgate wurden bereits über 1000 individuelle Urteile gesprochen. Die meisten erstinstanzlichen Urteile gingen übrigens für die Kläger*innen aus. In den Revisionsprozessen an den Oberlandesgerichten kam es jedoch zu einer diff…