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Kauflaune im Schneckentempo

Die Autoverkäufer*innen in der Krise.



Auch die Autohäuser dürfen dieser Tage ihre Pforten wieder öffnen. Doch bloß, weil jetzt wieder Wagen vom Hof rollen können, heißt das nicht, dass auch die Kundschaft den Weg in die Verkaufsräume findet. Die Absatzzahlen der Händler*innen brachen in den letzten Monaten um bis zu drei Viertel ein. Viele Unternehmer*innen sahen ihre Liquiditätsreserven sukzessive dahinschmelzen. Wer nicht gut vorgesorgt hatte, dem blieben nur ein Kredit oder die Insolvenz. 
Eine Abwrackprämie, wie sie bereits vielfach von der Autolobby bei Geheimgesprächen im Kanzlerinnenamt gefordert wurden, lehnen die Autoverkäufer*innen jedoch kategorisch ab. Sie haben bereits nach der ersten Zahlung dieser Art im Zuge der Finanzkrise 2009 schlechte Erfahrungen machen müssen. So bezeichnet ein Leipziger Autohausbesitzer die Abwrackprämie als „den größten Blödsinn“. Damals hätten sich alle einen Neuwagen zugelegt und danach wäre absolute Flaute gewesen.
Stehen, damit es weitergeht: unverkaufte Autos.

Bleiben voerst hinter Glas: noch mehr unverkaufte Autos
Viel wichtiger sei es, denn Menschen die Freude am Kaufen wiederzugeben. Wer sich auf einen festen Stamm an Kund*innen verlassen kann, ist wenigstens relativ sicher, dass dieser auch in Bälde wieder Termine für Reparaturen oder Probefahrten vereinbaren wird. Der Frühling ist sowieso häufig die umsatzstärkste Zeit für Autohändler*innen. Ein viel größeres Problem sei nun der Nachschub, da die Autobauer über Wochen keine Fahrzeuge mehr produziert hatten.
Die traditionell eng mit der Autoindustrie verbundenen Länder Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern haben sich hingegen für die Prämie eingesetzt. Die Gewerkschaft IG Metall äußerte sich nicht konkret zum Vorschlag. DIE LINKE. fordert mögliche Kaufanreize mit einer Umgestaltung der KFZ-Steuer und Anreizen für saubere Mobilität zu verbinden. Auch die Grünen unterstützen diese Ideen. Die FDP hingegen will eine lockerere Regelung bei Abgasnormen und damit der Umwelt und den Menschen einen Bärendienst erweisen. Wurden doch die strengeren Grenzwerte, welche die EU erst jüngst verkündete noch als vorsichtiges Zeichen der Zuversicht in Sachen Klimaschutz gewertet.  
Expert*innen ergänzen, dass auch Prämien für die Nutzung von sauberen Alternativen gefördert werden sollte, so etwa Zug, Bus und Fahrrad. Die könne etwa über Steuererleichterungen geschehen. 
Eine Entscheidung über mögliche Zuschüsse des Bundes beim Kauf eines Neuwagens werden für die nächsten zwei Wochen erwartet. 



Quelle: J. Mania-Schlegel „Abwrackprämie? „Der größte Blödsinn““, LVZ 28.5.2020; https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/auto-industrie-olaf-scholz-abwrackpraemie-1.4897613; Foto: Von User:Kolossos - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3970815; Von Alexander Migl - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=71075772

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