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Geteiltes Leid

In der Corona-Krise hat es zwei Verkehrsträger besonders getroffen: Sharing Fahrzeuge und Straßenbahnen. Vorschläge für einen Neustart.



Die Paketflut in Deutschland und überall in der westlichen Welt nimmt stetig zu. Durch das Corona-Virus wurde dieser Trend noch verschärft. Alle Geschäfte blieben zu und die Menschheit hatte viel Zeit um online auf Einkaufstour zu gehen. Gleichzeitig nahmen in den öffentlichen Verkehrsmitteln immer weniger Leute platz. Entweder weil sie einfach keine Wege mehr zu erledigen hatten, oder weil ihnen das Risiko einer Infektion zu groß war. 
Seit neustem mit Sitzplatzgarantie: Straßenbahn
Wieso also nicht den Pakettransport auf die Schiene verlegen? Für den Fernverkehr wird das mit Güterzügen seit jeher so gehandhabt. Im Zuge der Mobilitätswende und immer voller werdenden Städten, wäre es an der Zeit auch über eine solche Lösung nachzudenken. Gleichzeitig könnten die Einnahmeausfälle der Verkehrsunternehmen etwas gesenkt werden. Sind die Pakete einmal mit der Bahn ausgefahren, könnten sie in s.g. micro-hubs (kleine Lager) zwischengelagert und dann z.B. per Lastenfahrrad an ihren Endbestimmungsort gebracht werden. 
Zwar gibt es bereits umweltfreundliche E-Transporter der Deutschen Post, doch sind diese nicht minder platzraubend als herkömmliche Dieseltransporter. Zudem hat die Post die Produktion der E-Scooter schon wieder eingestellt. Mit dem Verteilen der Pakete via Schiene kann jedoch mehr als die Hälfte der CO2-Emissionen eingespart werden, die sonst beim Verschicken anfallen. Der Preis für die Zustellung liegt dabei nur wenig höher als normal. Und wem die paar Cent immer noch zu viel sind, der*die soll halt den stationären Handel unterstützen.
In Amsterdam gab es vor über 10 Jahren schon einmal ein solches Vorhaben, es wurde sogar genehmigt, die Bahnen und das Netz sollten für den Gütertransport umgerüstet werden. Am Ende war es doch vergebene Liebesmüh - Geld und Willen, das Projekt wirklich Realität werden zu lassen, fehlten.
Hart getroffen: Das größte Car-Sharing Unternehmen Zipcar 
Bei den Verkehrsträgern der Shared-Mobility gab es ein ganz ähnliches Tief. Allerdings erholen sich hier die Nutzer*innenzahlen wieder deutlich schneller. Teilweise verzeichnen die Anbieter von Leihfahrrädern schon genauso viele Ausleihvorgänge wie im vergangenen Jahr. Die Anbieter von E-Rollern bringen ihre zweirädrigen Gefährte langsam wieder zurück auf die Straßen. Dass sich die Zahl der Unternehmen ausdünnen wird war schon vorher klar. Bei aufstrebenden Produkten gibt es immer Viele, die mitmischen wollen, doch am Ende setzen sich zwei oder drei Branchenprimusse durch. Wer das sein wird, ist aber noch nicht abzusehen.
Bei den Autos sind die Kund*innen noch etwas vorsichtiger, vor allem weil sie unsicher sind, wann und ob überhaupt ihr Fahrzeug das letzte Mal gereinigt wurde. Zudem ist der Mindestabstand hier nur schwer einzuhalten, Gesetz dem Fall man* fährt mit Personen aus unterschiedlichen Haushalten. Dazu kommt noch, dass die gestiegenen Nutzerzahlen bei den geteilten Verkehrsmitteln deutlich zu Lasten von Bus und Bahn gehen. Der individuelle Personenverkehr hingegen wächst parallel dazu. Somit findet nur eine Verlagerung des ohnehin schon sauberen und platzschonenden Verkehrs statt. Am eigentlichen Problem zu vieler, schmutziger Autos auf den Straßen ändert das nichts. 
Dabei ist der Erfolg des Konzeptes jedoch noch von weit mehr Dingen abhängig. Etwa von der Altersstruktur. Besonders ältere Menschen scheuen sich bis dato davor die neuen Angebote zu nutzen, oder kennen sie gar nicht. Gerade sie müssen noch mehr eingebunden werden. 



Quellen: https://www.heise.de/news/Studie-zu-Paketlieferungen-per-Tram-teuer-aber-besser-fuer-die-Umwelt-4727601.html; https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/mehr-chance-als-schaden-fahrzeug-sharing-in-der-corona-krise-li.84124; Fotos: Von Felix Kramer (CalCars). Image retouched with Photoshop and uploaded by User:Mariordo - Flickr: https://www.flickr.com/photos/56727147@N00/3292024112/in/set-72157614049251389/, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10055455; Von Kurt Rasmussen, Attribution, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=61639590

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