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Vertrautes Misstrauen

Welche Rolle spielt das erfolgreichste Zulieferunternehmen BOSCH im Dieselskandal?

Und wieder landet man unvermeidlich in Stuttgart, wenn man sich dieser Tage mit den Gegebenheiten des Abgasskandals auseinandersetzt, doch sind es diesmal keine Spuren die zu den Autobauern führen, sondern zu einem ihrer bedeutendsten Zulieferer, der Robert Bosch GmbH. 
1886 von Namensgeber Robert Bosch gegründet, erlebte es mit dem Dieselboom vor 20 Jahren einen rasanten Aufstieg. Die Stuttgarter lieferten Einspritzanlagen, welche die Diesel immer sauberer und sparsamer werden ließen, sie waren also aktiver Teil des Fortschritts. Doch dieser Prozess endete jäh, als Mitt der Nuller-Jahre die US-Behörden ihre Abgasgrenzwerte deutlich verschärften. In Kooperation mit den größten deutschen Autobauern entschied man sich, statt ein neues, wenn auch zunächst sehr teures, Abgasreinigungssystem zu entwickeln, lieber dafür, mit den gegebenen Mittel so zu verfahren, dass auf dem Prüfstand alles sauber schien, dann aber auf der Straße gerußt wurde, was das Zeug hielt. Dass man sich damit wenigstens im Graubereich der hiesigen Gesetzgebung befand, schien allen Beteiligten klar. 
Jetzt aber, wo der Auspuff sprichwörtlich am dampfen ist, will sich BOSCH aus der Affäre ziehen und behauptet, nichts von der illegalen Nutzung seiner Motor- und Abgassteuerungssoftware gewusst zu haben. Interne Dokumente, aus der Korrespondenz zwischen VW und den Baden-Württembergern wiederlegen dies aber hinreichend. So fordert BOSCH VW sogar auf, sie aus der Haftung für die genutzten defeat devices zu entlassen. Eine E-Mail, welche dem Zulieferer nun in einem möglichen Prozess zum Verhängnis werden könnte. 
Bisher laufen Ermittlungen gegen acht Beschuldigte Fachingenieure, bis ins mittlere Management hinein. Die beiden Chefs des Unternehmens, welche auch vor dem Europäischen Untersuchungsausschuss EMIS aussagten, sind nicht darunter, da sie von dem Machenschaften ihrer Mitarbeiter*innen wohl nichts wussten. Dennoch könnte es sein, dass man sie wegen Organisationsverschulden, d.h. nicht ausreichender Kontrolle ihrer Untergebenen, zur Rechenschaft zieht. Franz Fehrenbach (Vorstandsvorsitzender) und Geschäftsführer Volkmar Denner waren einst selbst an der Entwicklung von Diesellösungen bei BOSCH beteiligt und dies auch sehr erfolgreich. Ob ihnen nun ECD17, die 10cm große Box, in der sich die manipulierte Steuerungssoftware befindet, zum Verhängnis wird, können nur die zuständigen Jurist*innen klären.  Auch durch Zivilklagen vor allem in den USA drohen Millionenzahlungen. Die Firma hat sich dafür entschieden umfänglich mit den Behörden zu kooperieren, nach außen aber Stillschweigen zu bewahren. Jene Taktik könnte aber auch die nationalen und internationalen Autobaukonzerne verärgern, welche fürchten müssen, dass sie durch Aussagen von BOSCH in Bedrängnis geraten. 
Auch in drei Kartellverfahren, u.a. dem Diesel-Kartell, steckt BOSCH und wurde erst kürzlich zu einer hohen Geldbuße für die illegale Absprache bei Bremsvorrichtungen verurteilt. So sauber wie man sich gibt, ist man also schon lange nicht mehr bei dem Mittelständischen Unternehmen. Ob BOSCH überhaupt noch auf einen Funken Vertrauen seiner Kund*innen hoffen kann, ist mehr als nur fraglich.

Quellen: DER SPIEGEL, 21.4.2018, F. Dohmen, S. Hage, M. Hesse; Bild: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/nun-checken-internationale-fachleute-boschs-neuen-diesel-supermotor-15560102.html

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