Direkt zum Hauptbereich

weit gereist: das Fernstraßenbundesamt

Gestern nahm die Behörde in Leipzig offiziell ihre Arbeit auf

Ort des Festaktes:
Leipziger Paulinum
Momentan hat der aus bayerischen Landen stammende Andreas Scheuer (CSU) eigentlich andere Sorgen, als sich um seine neue Megabehörde zu kümmern. In diesen Minuten findet eine für ihn schicksalhafte Pressekonferenz zur Zukunft des Diesels statt (Bericht von Gestern), da tat ihm diese erfreuliche Abwechslung sicher ganz gut. 
Ab 2021 ist der Bund alleine für den Bau, Betrieb und die Instandhaltung aller deutschen Autobahnen  verantwortlich. Dafür musste eine neue Behörde geschaffen werden, die den sperrigen, aber für die Leipziger*innen und Ostdeutschland insgesamt verheißungsvollen Namen "Fernstraßenbundesamt" trägt. Hier laufen nun alle Stränge zusammen, doch bis die Behörde voll einsatzfähig ist wird es wohl noch eine Weile dauern. Beim Festakt im Paulinum der Universität Leipzig gab man sich denn schon mal sehr zufrieden. Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhardt Jung (SPD) sieht in der Ansiedlung eine "Standortaufwertung, die noch viel Positives nach sich ziehen wird". 
Fakt ist, dass wohl rund 200 Arbeitsplätze entstehen werden. Die neuen Mitarbeiter*innen sollen dann auch in einem komplett neu errichteten Gebäude einziehen, dass auf dem Grundstück im Leipziger Osten direkt neben der jetzigen Interimsunterkunft gebaut werden soll. 
Von der sächsischen Zentrale und den drei Ablegern in Hannover, Gießen und Bonn wird künftig die ebenfalls neu geschaffene Infrastrukturgesellschaft des Bundes gesteuert und die Planfeststellungsverfahren für den Bau und Bundesstraßen und Autobahnen durchgeführt. 
Bisher einzige Bundesbehörde in Mitteldeutschland:
Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau
Spätestens 2021 müssen dann auch die momentan bei den Ländern beschäftigten 15.000 Beamt*innen und Angestellten, die jetzt noch für die 16 Bundesländer arbeiten, da die Zuständigkeit bisher in deren Händen lag, in die neuen Strukturen überführt werden. Wie dies geschehen soll ist bisher aber noch völlig unklar. Somit fordert DIE LINKE, in Anlehnungen an die Position des Deutschen Beamtenbundes, einen strukturierten, transparenten und nachhaltigen Übergang für die Beschäftigten, ohne sinnlosen Stellenabbau und zu sozialviertäglichen und fairen Konditionen. Weiterhin setzt sich DIE LINKE insbesondere vor dem Hintergrund ihrer besonderen Verantwortung für die neuen Bundesländer, dafür ein, dass zukünftig weitere Bundesbehörden den Weg nach Ostdeutschland finden. Bereits 1992 beschloss die damalige Bundesregierung ein Gleichgewicht bei der Verteilung dieser zwischen den zwei ehemaligen deutschen Staaten zu schaffen. Bis heute ist aber nicht viel passiert, dass Fernstraßenbundesamt könnte ein Anfang sein, findet auch Cornelia Ernst (MdEP für DIE LINKE) und schlägt vor: "Wir müssen insbesondere im Hinblick auf strukturschwache oder sich im Umbruch befindende Regionen wie die Lausitz, auch von staatlicher Seite Angebote schaffen, die die Leute in der Region halten und ihnen attraktiven Arbeitsmöglichkeiten eröffnen.
Wie sich die neue Gesetzgebung auch auf den Zustand und die Verwaltung der Straßen auswirkt mag heute noch nicht abzusehen sein, zu hoffen bleibt, dass bei all den Irrungen und Wirrungen vor der Abstimmung der Gesetzlichkeiten im vergangenen Jahr, nun etwas Klarheit zu Tage kommt. Fakt ist, dass einer möglichen (Teil-)Privatisierung der Infrastrukturgesellschaft ein Riegel vorgeschoben werden muss, z.B. durch eine striktere Formulierung im Grundgesetz.


Quellen: https://www.mdr.de/nachrichten/politik/inland/fernstrassenbundesamt-leipzig-100.html; https://www.welt.de/regionales/sachsen/article181734558/Fernstrassen-Bundesamt-in-Leipzig-beginnt-mit-der-Arbeit.html; https://www.dbb.de/teaserdetail/news/eroeffnung-bundesfernstrassenamt-dbb-fordert-zuverlaessige-partnerschaft.html; Fotos: Von M_H.DE - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14707489; Von Concord - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20210757

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Luft rauslassen

Die Automobile Welt in der Post-Corona-Zeit oder doch noch mittendrin. Mit jedem einzelnen der 5400 Beschäftigten, geht das Leipziger BMW-Werk wieder an den Start. Bilder wie beim Fleischverwurster Tönnies will die Betriebsleitung hier unbedingt vermeiden. Deshalb setzt der Chef des sächsischen Werkes auf umfangreiche Schutzmaßnahmen, so etwa 100 Meter Plexiglasscheiben, die sich über das gesamte Werk verteilen. Dazu kommen ein verkürztes Zwei-Schicht-System und ausreichend Abstand zwischen den Mitarbeitenden. Das hat zur Folge, dass im Moment statt den üblichen über 1000 Fahrzeugen nur 650 vom Band rollen. Die wirkliche Ursache liegt jedoch nicht in den Hygieneregeln, sondern darin begründet, dass der Absatz bei BMW um die Hälfte eingebrochen ist und das weltweit. Wann es wieder bergauf geht, kann noch nicht gesagt werden. Es hängt sicher auch von der Wirksamkeit des von der Bundesregierung beschlossenen Elektroauto-Konjunkturpakets ab.  BMW in Leipzig: Jetzt wieder mit ...

Kauflaune im Schneckentempo

Die Autoverkäufer*innen in der Krise. Auch die Autohäuser dürfen dieser Tage ihre Pforten wieder öffnen. Doch bloß, weil jetzt wieder Wagen vom Hof rollen können, heißt das nicht, dass auch die Kundschaft den Weg in die Verkaufsräume findet. Die Absatzzahlen der Händler*innen brachen in den letzten Monaten um bis zu drei Viertel ein. Viele Unternehmer*innen sahen ihre Liquiditätsreserven sukzessive dahinschmelzen. Wer nicht gut vorgesorgt hatte, dem blieben nur ein Kredit oder die Insolvenz.  Eine Abwrackprämie, wie sie bereits vielfach von der Autolobby bei Geheimgesprächen im Kanzlerinnenamt gefordert wurden, lehnen die Autoverkäufer*innen jedoch kategorisch ab. Sie haben bereits nach der ersten Zahlung dieser Art im Zuge der Finanzkrise 2009 schlechte Erfahrungen machen müssen. So bezeichnet ein Leipziger Autohausbesitzer die Abwrackprämie als „den größten Blödsinn“. Damals hätten sich alle einen Neuwagen zugelegt und danach wäre absolute Flaute gewesen. Stehen, dami...

Wahlverwandschaften

Wie die Bundesregierung sich von der Autolobby lossagte - eine Trennungsgeschichte Türe zu: Bundeskanzlerinnenamt in Berlin Wenn die Autolobby aus Frankfurt am Main gen Berlin gepilgert ist, wurde ihr meist sogleich eine Privataudienz bei der Kanzlerin und ihren Minister*innen gewährt. Gerne unterhielten sie sich in vertrauter, gar ganz privater Runde, ohne den üblichen formellen Schnickschnack drumrum. Was wurde nicht pleniert in den letzten Monaten und Jahren, um der angeblich letzten verbliebenen deutschen Schlüsselindustrie ein möglichst weiches Bett zu bereiten. Seit einem Jahr gibt es die "Konzentrierte Aktion Mobilität" bei der sich die Autofunktionär*innen regelmäßig mit der bundesdeutschen Politelite zusammensetzen. Dort solle es zwar um Innovationen gehen, doch Klimawandel und Mobilitätswende sind kein Thema. Über die Inhalte der Verhandlungen herrscht eh seit jeher Schweigen. Umwelt- oder Verbraucherschutzverbände, Wissenschaftler*innen und Vertreter*innen...