Direkt zum Hauptbereich

Büchse der Pandora

Der Dieselbetrug beruht auf informatorischer Raffinesse, das zu erkennen ist schwierig.


Nicht nur in Eastons Modell vom politischen System spielt die s.g. "Blackbox" eine Rolle, auch im Dieselskandal nimmt sie eine Schlüsselposition ein. Man kann sie, genau wie bei Easton als Schaltzentrale verstehen, von welcher aus sämtliche Entscheidungen über die Einheit, also das Fahrzeug, getroffen werden. Nun besteht allerdings der Nachteil darin, dass nur die Inputs, also z.B. die Eingaben des*r Fahrer*in und die Outputs, z.B. die ausgestoßene Menge CO2, messbar sind, alles was in der Blackbox abläuft, ist quasi ein Geheimnis und genau deswegen ist der Dieselbetrug für die meisten Menschen so schwer greifbar. 
Für viele scheint es so, als könne man den vermeintlichen Fehlern im Datensatz mit Software Updates und Hardware Nachrüstungen ohne weiteres beikommen, so richtig begreifen tut aber keiner, dass es sich nicht um Fehler im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr um bewusst gesetzte Codes handelt, die ja erst den Befehl an die Maschine gaben, mehr zu emittieren, als die Grenzwerte erlaubten. 
Prozessor der die Welt bewegt, mal mehr, mal weniger schmutzig
Ein durchschnittliches KFZ führt heute ungefähr 100.000 Zeilen Rechencodes aus, an deren Ende die volle, vom*von der Verbraucher*in erwartete Leistung steht. Dank der Veränderung nur einiger weniger dieser Matrizen kommt es nun dazu, dass auf den Straßen der Welt laut einer aktuellen Studie der Organisation Enviornmental Health Analytics (LLC) 107.000 Menschen pro Jahr an den Folgen einer Stickoxid-Kontamination sterben. Wären die Zeilen richtig programmiert, so könnten es fast 40.000 weniger sein. 
Auch Fahrverbote wären zu vermeiden gewesen, wenn die Autos richtig eingerichtet worden wären. Stattdessen wollen uns die Hersteller nun über "Umweltprämien" suggerieren, eine Auto zu kaufen, dass etwas für die Umwelt tut, als würde die Kohleindustrie ab sofort mit Klimafreundlichkeit dank neuer Filter werben, schon der Name führt das Projekt also ad absurdum. 
Die Bundesregierung reagiert auf die Problematik der Dieselskandals nach langem Nichtstun mit einer weiteren zynischen Spitze, sie treibt die Technokratisierung voran, indem sie sich für die Erhöhung der Grenzwerte, also einen Rückschritt in der Emissionsbekämpfung, ausspricht. Auf die Veränderung der Gegebenheiten antwortet das Kabinett Merkel mit einer Anpassung, nicht etwa mit einer Kontragebung. Das Politische wird alsbald obsolet werden, wenn die Antworten auf derlei systematische Vergehen bald nur noch technischer Natur sind, als gäbe es keine Alternativen, als die bloße Assimilierung mit den Modellen. 
DIE LINKE sieht darin nur das übliche Muster der Kanzlerin: Stillstand, statt Aufbruch. Jetzt wird es endlich Zeit knallhart gegen die Autoindustrie und ihre Machenschaften vorzugehen und dabei die Komplexität des Themas nicht herunterzuspielen und darauf zu reduzieren, wie man mechanisch etwas an der Sache ändern könnte. Damit allein ist es nicht getan, denn des Übels Wurzel liegt in den CPU´s der Rechentools und nicht in irgendwelchen Zahnradwerken. Komplexe Probleme bedürfen komplexer Antworten, die Kunst besteht darin, diese trotzdem verständlich zu vermitteln, ohne ihren Inhalt zu verwischen, dafür kämpfen wir.

Quellen: https://www.sueddeutsche.de/kultur/dieselskandal-fahrverbote-mobilitaet-1.4212504-2; Foto: Von Uberpenguin, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5820383

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Kein Licht am Ende des Tunnels

Nur wenig Besserung in Sicht: der Kobaltabbau bringt weiter Probleme mit sich, die auch ein deutscher Aktionsplan nicht lösen kann.

"So eine Masse kann Chaos anrichten", sagte ein kongolesischer Minenmanager jüngst einem deutschen Journalisten bei dessen Recherche zu den Bedingungen des Kobaltblaus in der Demokratischen Republik Kongo. Auch wir berichteten an dieser Stelle schon häufiger über die Verhältnisse vor Ort, das Verhalten der Abnehmerunternehmen und der deutschen und europäischen Politik. Mit der Masse meinte er die zig tausenden Bergarbeiter*innen, welche sich Tag für Tag unter schäbigsten Bedingungen und der ständigen Lebensgefahr im Nacken für ein paar Euro in den Minen und an den Schürfstationen ihren Lebensunterhalt verdienen. Doch sie lassen sich nicht mehr wie früher als bloße Ausbeutungsobjekte materialisieren. Mittlerweile haben sich zahlreiche kleine Kooperativen gebildet, in denen sich die zuvor unorganisierten Menschen zusammenschließen und auf eine Du…

Im ewigen Kreis

Rohstoffe zur Batterieherstellung sind bisher knapp - umso wichtiger ihre Herkunft zu kennen
An dieser Stelle wurde bereits vielfach über die Herausforderungen, welche mit der Gewinnung der für die Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus nötigen Bestandteile verbunden sind, berichtet. Zunehmend rücken dabei Rohstoffe in den Fokus, die bisher eine Nebenrolle bei der industriellen Nachfrage gespielt haben. So interessierte sich etwa vor zehn Jahren noch niemand wirklich für Kobalt, heute schnellen die Preise am Weltmarkt exorbitant in die Höhe. Es wäre aber zu kurz gegriffen nicht hinter die Fassade der Herkunft und der Förderungsbedingungen zu schauen, nur um dem Zweck anheim zu fallen, möglichst schnell viele Batterien zu produzieren, damit der Ausbau der Elektromobilität zügig und kostengünstig vorankommt.  Auch in der Industrie selber macht sich langsam ein Umdenken breit, natürlich nicht aus ökologisch-sozialer Perspektive, sondern aus rein ökonomischen Erwägungen, wie etwa der Einspa…

Zwischen Strom und Benzin - Hybrid Autos im Praxistest

Während in Deutschland noch heftig über den Umstieg auf Elektroautos diskutiert wird, läuft es mit der Übergangstechnologie schon länger rund, aber was taugen Plug-In Hybrid Fahrzeuge wirklich? Überraschungen oder gar falsche Hoffnungen auf ein außergewöhnlich gutes Ergebnis muss gleich die Realität entgegengesetzt werden. Nach dem Test von Leser*innen des "Redaktions Netzwerk Deutschlands", welche eine Woche lang die Technik ausprobierten und dabei gemeinsam um die 8000km zurücklegten, stand für ausnahmslos alle fest, dass sich die Anschaffung eines derartigen Mobiles nicht lohnt. Zugegeben, neben dem im Test befindlichen VW Passat Variant GTE gibt es sicher noch zahlreiche andere Modelle am Markt, bei denen sowohl elektrisch als auch konventionell gefahren werden kann, doch sind Reichweiten und Verbrauch bei allen Fahrzeugen dieser Art recht ähnlich.  Was die Industrie verspricht sind 50km rein elektrischer Fahrspaß, eine Annahme, die wohl nur formal Bestand hat, in der R…