Direkt zum Hauptbereich

Billig, billiger, Autoaktien

Warum es die Anteilscheine für Autounternehmen zu Schnäppchenpreisen gibt und was das für Vor- und Nachteile birgt


Gewiss, DIE LINKE steht nicht in der Tradition sich mit großen Aktienspekulationen zu beschäftigen, stattdessen lehnen wir sie richtiger- und konsequenterweise ab, denn solche führen u.a. zu einer immer stärkeren Entfernung von Kapital und Arbeit, sowie der Ausweitung des risikobehafteten Finanzmarktsektors, welcher sicher einen Hauptfaktor der hinter uns liegenden Wirtschaftskrise darstellte. Allerdings sollte aus dieser Contra-Position nicht die Haltung erwachsen, eine Auseinandersetzung mit der Thematik in Gänze zu verweigern und so lohnt sich an dieser Stelle ein Blick auf die Situation deutscher Autobauer und der größten Zulieferer der Branche am Aktienmarkt. 
Sowohl Volkswagen, als auch Daimler, BMW und der wichtige Lieferant Continental sind im Leitindex der deutschen Börse, in dem die 30 wichtigsten Unternehmen des Landes einen Platz finden, notiert. Allerdings sind sie auch die am schlechtesten bewerteten innerhalb dieser Gruppierung, obwohl sie ein Drittel der Nettogewinne zum Ergebnis der Top-30 beitragen, im vergangenen Jahr waren das 29 Milliarden Euro, stehen sie für magere 18 Prozent des Börsenwerts aller im Leitindex vertretenen Unternehmen, gerade einmal 200 Mrd. Euro. 
In der Finanzwelt heißt es allzu oft, wer billig ist, den will niemand und so scheint es auch den Autoriesen zu gehen. So übersteigen die Vermögenswerte der Firmen ihren Börsenwert bei weitem. Beispiel VW, die Niedersachsen kommt unter Zurechnung aller Anlagen, Gebäude usw. ein Buchwert nach Abzug der Schulden zu, der doppelt so hoch ist, wie die Bewertung an der Börse. Analyst*innen sind empört über solche Zahlen, aus einer linken Position heraus scheint dieses Phänomen jedoch wünschenswert, denn 1. ist die Gefahr eines Absturzes an der Börse marginal, da die Aktien sowieso niedrig bewertet sind und 2. können sich die Unternehmen auf ihre wahren monetären Mittel verlassen und sind nicht auf das starken Schwankungen unterworfene Anlagekapital der Finanzmärkte angewiesen. 
Hier gibt es leider viel zu holen: Deutsche Börse in Frankfurt (Main)
Zögerlich sind Käufer*innen sicher auch deshalb, weil im Zuge des selbstverschuldeten und von DIE LINKE. vielfach kritisierten Abgasskandals das Gros an Vertrauen ebenso verloren gegangen ist, wie eine haufen Stange Geld. Allein die Wolfsburger mussten in den USA über 20 Mrd. berappen, alle Autohersteller, sowie namhafte Zulieferer (z.B. BOSCH), haben große Rückstellungen für etwaige folgende Zahlungen bilden müssen, die nun in Depots schlummern und nicht investiert werden könne. 
Auf der anderen Seite ergibt sich ein großes Potenzial in punkto Fortschritt und Innovation, so investierten die großen Drei allein im vergangenen Jahr 25 Mrd. in Forschung und Entwicklung, bei Volkswagen sollen bis 2022 nochmals 30 Mrd. dazukommen. Dennoch bleiben die Investierenden zögerlich, denn ob sich die Geldtransfers für neue Antriebstechnologien, Digitalisierung und autonomes Fahren wirklich auszahlen ist ungewiss. Es liegt ferner vor allem daran, dass die deutschen Unternehmen zu lange gezögert haben und sich nicht auf die Zukunft einstellten. So gibt es einen riesigen Berg an Arbeit aufzuholen und trotzt zahlreicher Mahnungen, auch von DIE LINKE., haben sich die Hersteller auf ihren bisherigen vorsintflutlichen Errungenschaften mit Namen Diesel- und Ottomotor ausgeruht. Die Rechnung dafür kommt jetzt, da helfen auch keine Traumrenditen an der Börse von nicht weniger als zehn Mrd. Euro 2018 (1/4 der gesamten Ausschüttungen). 
Letztlich bleibt zu konstatieren, dass sich Daimler, BMW und alle Anderen weiterhin auf ihre künftige Entwicklung fokussieren und endlich entscheidende Schritte in Richtung Zukunft tätigen müssen, um auch in den nächsten 100 Jahren erfolgreich zu wirtschaften. Für DIE LINKE ist klar, dies kann nur mit den Menschen, also Mitarbeiter*innen und Verbraucher*innen, sowie der Umwelt gehen. Die Märkte hingegen dürften kein Indikator sein, an dem sich die Hersteller messen lassen dürfen.



Quelle: Vorerst nur viel Potenzial, U. Sommer, Handelsblatt, 22./23./24.2.19; Foto: Von DesertEagle - mein Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12057467

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Wer nicht will der hat schon

Ein Modell, das es eigentlich schon mal gab, könnte jetzt den motorisierten Individualverkehr revolutionieren.
 Bereits 6500 Reservierungen liegen für die Neukonzeption des einstigen BMW Erfolgsmodells Isetta vor, der sich in neuem Gewand Microlino nennt. Alleine 500 Bestellungen gingen auf dem Genfer Autosalon ein, obwohl kurz vorher der Prototyp vom Gabelstapler gefallen war und sich von einer Seite völlig demoliert zeigte. Die Tüftler um Vater Wim Ouboter ließen sich davon jedoch nicht beirren ("Shit Happens" stand an der zerstörten Front), auch wenn der Stromer eigentlich nur als Werbegag gedacht war. Beheimatet ist Wim nämlich in der Produktion von E-Tretrollern.
Doch der deutsche Autokonzern aus München winkte ab, als er das Angebot bekam den E-Flitzer in sein Programm aufzunehmen, obwohl der Isetta den bayrischen Autobauer einst vor dem Ruin rettete. Anfang der 50er nämlich gerieten die Münchner in eine existenzielle Krise. Das Werk in Eisenach war an die Russen gef…

Weil Rot nicht immer Stillstand heißt.

Positionen anderer LINKEN-Politiker*innen zum Dieselskandal.

Eine Enteignung der Dieselfahrzeugbesitzer*innen findet Sarah Wagenknecht den Skandal. Sie sieht den Schutz des Eigentums missachtet und fürchtet eine Schadenssumme von 15 Milliarden Euro für die Betroffenen. "Es kann nicht sein, dass Millionen Verbraucher jetzt auf den Klageweg verwiesen werden, um individuell (oder allenfalls per Sammelklage) ihr Recht durchzusetzen", meint die Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Bundestag dann weiter. Wurzel des Übels sei die Verstrickung von Politik und Wirtschaft, welche sich unter anderem durch Großspenden von Autokonzernen an Parteien wie CDU und SPD ausdrückt, welche dann wiederum mit politischen Gefälligkeiten antworten. Eklatante Beispiele sieht sie in Stephan Weil, welcher Regierungserklärungen von VW Gegenchecken lässt, oder den fluiden Wechsel zwischen Politik und Wirtschaft, welchen sie gerne mit einer Sperre von drei Jahren nach Ende des Mandats oder der Amtsträgerscha…

Zeit vergeht, Probleme bleiben

Drei Jahre Dieselskandal, eine Abrechnung.

"So kommt in diesen Stunden alles auf den Tisch", sprach Martin Winterkorn am 20. September 2015 in seinem ersten Pressestatement nach Bekanntwerden des wohl größten Manipulationsskandals der Automobilgeschichte. Heute klingen diese Zeilen wie Hohn in den Augen vieler Menschen, denn statt auf den Tisch fiel vieles eher darunter. Martin Winterkorn ist inzwischen nicht mehr Chef des größten Automobilbauers der Welt, geändert hat das an der Art und Weise im Umgang mit dem Skandal aber nur wenig.  25 Milliarden Euro und drei Vorstandsvorsitzende weiter ist am Ende des Tunnels noch immer kein Licht zu erkennen, womöglich weil der Tunnel niemals enden wird.  Seit über 1000 Tagen beschäftigen auch wir uns nun schon mit den Vorkommnissen rund um VW, Daimler, Fiat und Co., doch auch eine Expert*innenkommission der Bundesregierung, ein nationaler und ein europäischer Untersuchungsausschuss konnten keine spürbaren Verbesserungen erwirken, ges…