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CarSharing - Was als Märchen begann, endet zusehends in einem Albtraum




Man* glaube es kaum, aber es gibt wirklich für alle Interessengruppen in diesem Land eine Dachorganisation. Und so hat sich neben dem VDA als größte Lobbyorganisation der Automobilindustrie auch eine Vertretung für die zahlreichen CarSharing-Unternehmen in Deutschland etabliert. Der BCS tritt sonst eher weniger in Erscheinung und wenn dann meist zu freudigen Anlässen. Allerdings ruft ihn jetzt eine Studie der Beratungsfirma A. T. Kearney auf den Plan, welche den Anbietern vorwirft, nicht wesentlich zur Verbesserung der Verkehrssituation in den Städten beizutragen, sondern im Gegenteil eher noch zu einer Verschärfung der eh schon angespannten Lage beizutragen, da viele ehemalige Nutzer*innen von Fahrrad und ÖPNV auf die Leihautos umsteigen würden. Dem widerspricht der Verband jedoch vehement und bezeichnet sich selbst als eine Art "Weißen Ritter", der es geschafft habe viele Menschen vom eigenen Auto weg zu bewegen und stattdessen die Angebote der geteilten Fahrzeuge zu nutzen. 
Bitte freihalten: Parkplatz für Sharing-Auto
Der größte aller Anbieter: Zipcars
(in Deutschland noch unbekannt)
Der Bundesverband CarSharing sieht durchaus eine Evidenz, dass Free-floating-Modelle eher weniger positives für die Verkehrswende beizusteuern haben, da die Fahrzeuge in dieser Variante des CarSharings überall geparkt werden können und nicht, wie bei den stationären Anbietern, an bestimmten Punkten abgestellt werden müssen. Somit verstopfen sie den ohnehin geringen Parkraum, sind allerdings für viele insofern attraktiver, als dass es meist einfacher ist, in der näheren Umgebung auf einen freien PKW zu stoßen.  Diese Variante der Autoverleihung sei aber nur in einem Bruchteil der über 700 Städte und Gemeinden mit etwaigen Angeboten verfügbar und somit redundant. 
Der Zauber vergangener Zeiten, der die Branche einst umwehte, ist jedoch längst Teil der Vergangenheit. Vor acht Jahren starteten Daimler und BMW die ersten Fahrversuche im Free-floating-Modus. Damals prophezeite man*, dass ein geteiltes Fahrzeug bis zu 10 individuelle PKW ersetzen könne, doch davon ist nicht viel übrig geblieben, als die enttäuschte Erwartung. 
Ein ganz anderes Problem, außer sich den Vorwurf des mangelnden Beitrages zur Umweltverbesserung gefallen zu lassen, haben die Anbieter im ökonomischen Bereich. Die Angebote sind nämlich kaum profitabel. Allein in den sehr dicht besiedelten Ballungszentren können Sixt, ShareNow und Co Gewinne einfahren. Deshalb konkurrieren hier auch zahlreiche Unternehmen um die Gunst der Nutzer*innen. Ein abstruser Preiskampf startete und mit über 50.000 Fahrzeugen ist Berlin die absolute Sharing-Hochburg. Das flache Land hingegen bleibt wieder einmal auf der Strecke. Auch Taxifahrer*innen bangen nun um ihre Existenz, denn mit der Billig-Konkurrenz können sie kaum mithalten. Stattdessen entbrennt neben dem Preis- nun auch noch ein Kampf um die letzten freien Parkplätze. So funktioniert die Verkehrswende sicher nicht. 



Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Verband-kritisiert-Studie-zum-Mythos-Carsharing-4499481.html; https://www.sueddeutsche.de/auto/carsharing-studie-staedte-probleme-1.4554329; Foto: Von Lupus in Saxonia - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=77271246; Von Felix Kramer (CalCars). Image retouched with Photoshop and uploaded by User:Mariordo - Flickr: https://www.flickr.com/photos/56727147@N00/3292024112/in/set-72157614049251389/, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10055455

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