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Fahrerloser Fahrspaß.

Wie autonomes Fahren die Welt der Mobilität verändert.
In manchen Teilen Deutschlands ist die Zukunft schon real. So fahren zum Beispiel selbstfahrende Kleinbusse auf Werksgeländen umher und transportieren die Firmenmitarbeiter*innen von Halle zu Halle. Dass dies jedoch noch nicht wirklich das Gelbe vom Ei zu sein scheint, muss wohl jedem klar sein. So kommen die Fahrzeuge über 20km/h nicht hinaus und müssen ständig überwacht werden, damit auch ja kein Schaden für Mensch und Mobil entsteht.
Doch 2030, so die Prognose führender Entwickler*innen könnte es dann schon soweit sein, dass diese Art von Fahrzeugen serienfähig wird. Bei dem Wettrennen um genau dieses Ziel sind neben den altgedienten Fahrzeugbauern auch Tech-Firmen wie Google, Apple oder Tesla mit von der Partie.
Wenn man sich auf eine Reise ins Silicon Valley begibt, kann man die ersten Prototypen des autonomen Google-Autos schon betrachten. Was mal ein herkömmlicher Toyota-Lexus war, ist nun ein Roboter, voller Hochleistungssensoren, Kameras und vielen weiteren Technik-Modulen. Doch Google will mehr. Das Ziel der beiden Gründer eines der größten Digital-Unternehmens unserer Zeit, wollen ein eigenes, ganz neues Fahrzeug: "das komplett automatisierte Auto, ein ganz neues Gefährt, nicht ein umgebautes Modell", so Brin und Page. Offiziell geht es dabei nicht um den größtmöglichen Gewinn, sondern darum den Menschen Komfort, Sicherheit und Fortschritt zu bringen. Auch solle damit der Verkehrskollaps verhindert, und die Umwelt geschont werden. Google wählt dabei den radikalen Weg, also versucht ein Fahrzeug zu konstruieren, welches gänzlich ohne Eingriffsmöglichkeiten für den Menschen auskommen soll. Dies, so der Hauptgedanke, würde maximale Sicherheit gewähren. Algorithmus schlägt Homo sapiens. Auch soll das KFZ von Beginn an für den Massenmarkt taugen.
Doch die klassischen Wagenbauer wollen dem nicht tatenlos zusehen, wenden wir den Blick also zurück in heimische Gefilde, ins bodenständige Stuttgart zu einem noch bodenständiger wirkenden CEO Zetsche welcher sich seit neustem mit Jeans und offenem Sakko präsentiert und versucht die alten Top-Down Strukturen zu Gunsten eines Hauchs von Start-up Flair zu verändern. Hier setzt man allerdings auf eine andere Strategie, anstatt das Handeln und "Denken" komplett dem Fahrzeug zu überlassen, planen die Baden-Württemberger eine Version, bei welcher der/die Fahrer*in stets die Möglichkeit hat, sich über das Auto hinwegzusetzen. Auch soll zunächst die Oberklasse mit der technischen Innovation versehen werden, ehe auch die günstigeren Wagen vom autonomen Fahren profitieren sollen. 2013 leitete Zetsche die Ära ein, indem er als Beifahrer in einem autonom fahrenden Mercedes auf der Frankfurter IAA erschien. Jedoch saß versteckt unterm Armaturenbrett ein Ingenieur, welcher im Notfall eine Vollbremsung hätte auslösen können. So richtig angefreundet hatte sich also der Chef der Firma, welche einstmals das Automobil erfand, mit der neuen Technik noch nicht. Und doch war es nicht dass erste Mal, dass Daimler  in die Forschung zu diesem Thema einstieg, bereits in den 80er Jahren, unter dem Namen Prometheus firmierend, arbeitete das Unternehmen an autonomen Lösungen, andere Ziele wurden aber wichtiger, und so versandeten die durchaus beachtenswerten Ansätze.
Wer am Ende das Rennen gewinnen wird und wer auf der Strecke bleibt, ist heute nicht abzusehen, einen großen Gewinner kann man aber jetzt schon absehen, nämlich die Zulieferindustrie, auch und vor allem  die Deutsche, welche Kameras, Sensoren und vieles mehr in Zukunft liefern und produzieren wird.
Bis dahin muss aber noch die Frage geklärt werden, wie Technik und Moral zusammengedacht werden können. Schließlich wendet das Auto nur an, was ein Mensch ihm beigebracht, also einprogrammiert hat. Was passiert bei einem Hackerangriff oder wie entscheidet es bei einem unvermeidbaren Unfall, wer stirbt und wer weiter lebt? Es gibt hernach noch viele Fragezeichen und auch die Politik sollte schleunigst beginnen sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen und die entsprechende Rahmengesetzgebung frühzeitig auf den Weg zu bringen, Actio statt Reactio wäre endlich mal wieder das gebotene Motto. Natürlich wird sich auch DIE LINKE der Zukunft nicht verstellen und an den bestmöglichen Lösungen für eine intelligente Verkehrspolitik der nächsten Jahrzehnte arbeiten. So z.B. an der Verknüpfung von ÖPNV und autonomen Fahrzeugen, die als Sammelzubringertaxi fungieren könnten.
Bis dahin bleibt aber noch ein gutes Stück Weg zu beschreiten.




Quellen: SPIEGEL 09/2016, M. Brauck, D. Hawranek, T. Schulz; Foto: https://www.sigs-datacom.de/trendletter/2018-06/13-tuev-fuers-autonome-fahren.html

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