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Autonomes Fahren - Verkehrskollaps mit Ansage?

Eine Studie hat erstmals die Folgen des autonomen Fahrens untersucht

Verkehrschaos 2.0?
Hier wird geforscht: TU Wien
Dieser Frage ging jüngst ein emsiger Kommentareschreiberling des WDR nach und gelangte anhand von Studienergebnissen der Technischen Universität Wien zu einem eindeutigen Ergebnis. Sollte das autonome und vernetzte Fahrzeug tatsächlich in den nächsten Jahren marktbeherrschend werden, so würde sich die Situation auf Deutschlands Straßen wohl deutlich verschlechtern. Der Nahverkehr hätte das Nachsehen, schließlich ließe sich dann auch im Auto bequem Arbeit erledigen, lesen oder schlafen. Man bräuchte wohl nicht einmal einen besonderen Führerschein um sich mit dieser Art von Transportmittel fortzubewegen. Alle die es sich leisten könnten würden dann mit Sicherheit auf lästige Fahrten in engen Bahnen oder gefährliche Touren mit dem Rad verzichten. Der finanzielle Fokus, anhand dessen die Politik ihre Infrastrukturinvestitionen festmacht, käme wohl zu einer neuerlichen Wende hin zu mehr und breiteren Straßen. Alle die es sich nicht leisten können oder wollen müssten dann mit wiederum veraltetem ÖPNV zurechtkommen oder sich den Platz auf der Straße mit immer mehr Autos teilen. Ein Horrorszenario auch für die Umwelt, schließlich sind die KFZ in ihrer Herstellung emissionsintensiv und auch ihr Antrieb wird wohl zunächst nicht ohne das Erzeugen schädlicher Gase auskommen. 
Insgesamt sehen die Wissenschaftler*innen es als realistisch an, das schon in zwei Dekaden die Majorität der Fahrzeuge ohne Fahrer*in hinterm Lenkrad unterwegs sein wird. Dies führt auch dazu, dass eine weitere Zersiedlung wahrscheinlich wird und die gefahrenen Kilometer pro Person ansteigen werden. 
Hier wird autonom geflogen: auf dem Teppich
Die Ergebnisse des Kooperationsprojektes zwischen Forschungseinrichtungen in Wien und Leeds sehen aber auch Vorteile dieser "Verkehrsrevolution". Professor Günter Emberger vom Institut für Verkehrswissenschaften der TU sieht u.a. die Chance, dass das Unfallrisiko deutlich minimiert wird und Staus in Zukunft der Vergangenheit angehören, sich die Effizienz also steigert. Jedoch gibt er Des Weiteren zu bedenken, dass man sich Gedanken über neue Parkraumkonzepte und Lenkungssysteme machen muss. Sein Team und das der anderen beteiligten Unis, erstellten bereits Computersimulationen, um mögliche Szenarien für das künftige Verkehrsaufkommen durchzuspielen. Fest steht wohl, dass der mit Autos zurückgelegte Weg um bis zu 40 Prozent steigen wird, der Anteil von Rad- und Fußverkehr gleichzeitig aber um 10 Prozent einbricht.
Nun gilt es in einer gesunden Balance  Risiken und Herausforderungen die dieser technische Meilenstein mit sich bringen wird abzuwägen. Die Politik ist an dieser Stelle mehr als dringend in der Pflicht sich schon heute über die Konzepte von Morgen Gedanken zu machen, damit wenn der Tag gekommen ist auf den Straßen nicht Chaos und Verzweiflung das Bild beherrschen, sondern es gilt, z.B. durch geteilte Mobilitätsangebote oder die Verknüpfung von PKW Verkehr mit schnelleren Nahverkehrsbahnen, eine für alle gütliche Lösung zu finden. DIE LINKE setzt sich seit jeher für Forschung und Entwicklung ein, denn nur mit Innovation und neuen Ideen kann Deutschland und Europa auf lange Sicht wettbewerbsfähig bleiben. Dabei sind aber sowohl die Verbraucher*innen und Mitarbeiter*innen, als auch die Umwelt wichtige Faktoren, welche bei jedweden Projekten in Betrachtung gezogen werden müssen, damit am Ende alle etwas davon haben. 


Quellen: https://blog.wdr.de/digitalistan/autonomfahren/; https://www.tuwien.ac.at/aktuelles/news_detail/article/126254/; Fotos: Von Peter Haas /, CC BY-SA 3.0 at, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25729420; Von Wiktor Michajlowitsch Wasnezow - belygorod.ru, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1374733

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