Direkt zum Hauptbereich

Elektro fürs Volk!

Alle sind im E-Auto-Wahn - nun auch endlich für die Mittelschicht - doch wie viel Elektro verträgt Europa?

Günther Schuh fand mit seinen Innovationen im Bereich der Automobilität in Fachkreisen schon häufiger Erwähnung, so auch hier. Schlagzeilen machte der Professor an der RWTH Aachen vor allem durch den Verkauf seines E-Scooters an die Deutsche Post. Mittlerweile sind 11.000 der Kleintransporter von heimischen Bändern gerollt. Dieser Erfolg schien dem ambitionierten Wissenschaftler und passionierten Tüftler jedoch noch lange nicht zu genügen. Schuh wollte die E-Autos für die breite Masse produzieren. Dafür gründete er ein Start-Up namens E-Go, welches sich prompt zur nächsten Erfolgsgeschichte auswuchs. 
Erfolgsmodell: E-Scooter der Post
Mit einem Preis von weniger als 30.000 Euro kann das Fahrzeug durchaus überzeugen. Dies gelingt vor allem durch sparsames Design, bereits in der Produktpalette der Zulieferer enthaltene Fertigteile und eine Batterie mit nicht so wahnsinniger Reichweite. Dafür ist der Wagen kompakt und somit für den Stadtverkehr bestens geeignet. Dennoch bleiben Preis und Leistung in einem Ungleichgewicht.
Auch VW hat nach anfänglichem Zögern nun seinen Faible für die E-KFZ entdeckt. Anstatt sich auf Hybridvarianten oder neue Diesel-Generationen zu konzentrieren, wird jetzt voll auf E gefahren. Alle Segmente, von der Luxuskarre bis zum Golf, werden elektrisiert. Mehr als 20 Modelle will VW so in den nächsten Jahren auf den Markt bringen. Start ist mit dem ID3 schon diesen Sommer. Mit dem Risiko am Ende ohne Gewinn dazustehen, denn ob sich Lithium-Ionen-Batterien tatsächlich durchsetzten ist keinesfalls ausgemacht. 
Hierin liegt auch die sich abzeichnende Gefahr. Anstatt sich auf die Methodenvielfalt an innovativen Antriebsmöglichkeiten zu berufen, wird lieber wieder voll aufs Ganze gegangen und alles in einen Topf geworfen. Hintertüren gibt es nicht und Alternativen schon gar nicht. Mit dem Diesel hat es ja schließlich 100 Jahre so geklappt. Ein Dogma ist dominant, mehrere Programme nebenher eher störend. Multikompetent sollte das Stichwort eines Großkonzerns in der heutigen Zeit sein. Und wenn schon nicht alle Plätze besetzt werden können, muss eben mit Nischen-Unternehmen kooperiert werden, die die entsprechende Lücke füllen, einzeln aber keinen überlebensfähigen Markt generieren könnten. Wenigstens in dieser Hinsicht sind die großen deutschen Autobauer etwas aus ihrem Tiefschlaf erwacht, wie die jüngsten Kooperationsvereinbarungen (im übrigen auch zwischen VW und E-Go) zeigen. 
schon 1972 im Einsatz: E-Mobil der NASA
E-Go und andere kleine Firmen, die hier regelmäßig beleuchtet werden, zeigen, dass ein Strukturwandel in der Branche möglich ist, Dank der Nutzung von Ergebnissen aus der Forschung, die nur intelligent angewendet werden müssen. Bald soll ein E-Go "Life" für 12.000 Euro serienreif sein, dann wäre es um das 10fache günstiger als etwa ein Tesla1-Modell. Ob die Menschen es annehmen bleibt eine andere Frage und auch alternative Techniken, etwa Brennstoffzelle oder Biokraftstoff, sind nicht von der Werkbank. Bei Tesla in Kalifornien haben sich die Hoffnungen bisher jedenfalls nicht bestätigt. Modelle vom Typ 3 für ca. 35.000 Dollar verkaufen sich deutlich schlechter als erwartet. Im 1. Quartal konnten so nur etwa 50.000 Fahrzeuge abgesetzt werden, was wiederum rote Zahlen für Elon Musks Firma bedeutet. Ob es deutsche Hersteller besser machen oder Tesla gar den Rang ablaufen bleibt abzuwarten.
DIE LINKE wird sich auch in der kommenden Legislaturperiode im Europäischen Parlament dafür einsetzten, dass nicht weniger Geld als bisher in Forschung und Entwicklung investiert wird. Statt Aufrüstung zu unterstützen, können Mittel lieber sinnvoll eingesetzt werden, um die Autoindustrie zukunftsfähig zu machen. Dabei muss sie für alle Gefahren und Herausforderungen gewappnet sein, nur so kann eine wirkliche Wende gelingen. Diese schafft dann auch erfolgreich neue Jobs, wie die 150 neu in der Produktion entstandenen Arbeitsplätze bei E-Go beweisen. 


Quellen: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/elektromobilitaet-stromer-fuer-alle-1.4439988; https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tesla-model-3-produktion-1.4396085; Foto: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tesla-model-3-produktion-1.4396085; Von Superbass - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53941896


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Kein Licht am Ende des Tunnels

Nur wenig Besserung in Sicht: der Kobaltabbau bringt weiter Probleme mit sich, die auch ein deutscher Aktionsplan nicht lösen kann.

"So eine Masse kann Chaos anrichten", sagte ein kongolesischer Minenmanager jüngst einem deutschen Journalisten bei dessen Recherche zu den Bedingungen des Kobaltblaus in der Demokratischen Republik Kongo. Auch wir berichteten an dieser Stelle schon häufiger über die Verhältnisse vor Ort, das Verhalten der Abnehmerunternehmen und der deutschen und europäischen Politik. Mit der Masse meinte er die zig tausenden Bergarbeiter*innen, welche sich Tag für Tag unter schäbigsten Bedingungen und der ständigen Lebensgefahr im Nacken für ein paar Euro in den Minen und an den Schürfstationen ihren Lebensunterhalt verdienen. Doch sie lassen sich nicht mehr wie früher als bloße Ausbeutungsobjekte materialisieren. Mittlerweile haben sich zahlreiche kleine Kooperativen gebildet, in denen sich die zuvor unorganisierten Menschen zusammenschließen und auf eine Du…

Im ewigen Kreis

Rohstoffe zur Batterieherstellung sind bisher knapp - umso wichtiger ihre Herkunft zu kennen
An dieser Stelle wurde bereits vielfach über die Herausforderungen, welche mit der Gewinnung der für die Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus nötigen Bestandteile verbunden sind, berichtet. Zunehmend rücken dabei Rohstoffe in den Fokus, die bisher eine Nebenrolle bei der industriellen Nachfrage gespielt haben. So interessierte sich etwa vor zehn Jahren noch niemand wirklich für Kobalt, heute schnellen die Preise am Weltmarkt exorbitant in die Höhe. Es wäre aber zu kurz gegriffen nicht hinter die Fassade der Herkunft und der Förderungsbedingungen zu schauen, nur um dem Zweck anheim zu fallen, möglichst schnell viele Batterien zu produzieren, damit der Ausbau der Elektromobilität zügig und kostengünstig vorankommt.  Auch in der Industrie selber macht sich langsam ein Umdenken breit, natürlich nicht aus ökologisch-sozialer Perspektive, sondern aus rein ökonomischen Erwägungen, wie etwa der Einspa…

Zeit vergeht, Probleme bleiben

Drei Jahre Dieselskandal, eine Abrechnung.

"So kommt in diesen Stunden alles auf den Tisch", sprach Martin Winterkorn am 20. September 2015 in seinem ersten Pressestatement nach Bekanntwerden des wohl größten Manipulationsskandals der Automobilgeschichte. Heute klingen diese Zeilen wie Hohn in den Augen vieler Menschen, denn statt auf den Tisch fiel vieles eher darunter. Martin Winterkorn ist inzwischen nicht mehr Chef des größten Automobilbauers der Welt, geändert hat das an der Art und Weise im Umgang mit dem Skandal aber nur wenig.  25 Milliarden Euro und drei Vorstandsvorsitzende weiter ist am Ende des Tunnels noch immer kein Licht zu erkennen, womöglich weil der Tunnel niemals enden wird.  Seit über 1000 Tagen beschäftigen auch wir uns nun schon mit den Vorkommnissen rund um VW, Daimler, Fiat und Co., doch auch eine Expert*innenkommission der Bundesregierung, ein nationaler und ein europäischer Untersuchungsausschuss konnten keine spürbaren Verbesserungen erwirken, ges…