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Künstlich, Synthetisch, Sauber - geht das ?

Alle reden über E-Mobilität, im Hintergrund derweil Ergebnis sich noch völlig andere Antriebsmöglichkeiten, wie synthetische Kraftstoffe beweisen sollen



Einstmals waren die Ölkonzerne die mächtigsten und wertvollsten Unternehmen der Welt. Heute kämpfen Shell, BP und Co gegen das schlechte Image der Branche und sehen sich zunehmender Konkurrenz durch Substitutanbieter ausgesetzt. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die synthetischen Kraftstoffe, welche als vielversprechende Alternative zu Benzin und Diesel gehandelt werden. Galt Erdgas lange Zeit als eine deutlich sauberere Übergangstechnologie, so wird heute klar, dass sich diese Vorstellung nur bedingt erfüllt hat. Stattdessen liegt der Trend jetzt bei völlig regenerativen Antriebswegen. Mit den E-Fuels will man der Entwicklung hin zu immer mehr Elektrofahrzeugen etwas entgegenhalten. Es gibt schon recht unterschiedliche Treibstoffe, so etwa Polyoxymethylendimethylether. Dank der vorhandenen Technologien, die mit herkömmlichen Treibstoffen arbeiten, lassen sich viele Synergieeffekte bei der Nutzbarmachung im Fahrzeug herstellen. Nur die Automobilbranche und erst recht die Verbraucher*innen wollen darauf nicht so ganz eingehen und das liegt nicht nur an den unaussprechlichen Namen der neuartigen chemischen Erzeugnisse. 
Keimzelle der Entwicklung: das Labor
Dies ist auch ein Grund dafür, warum die Forschung an dieser Stellen noch so wenig weit gediehen ist. Bis auf ein paar versprengte Testanlagen, wird der synthetische Kraftstoff in der breite noch nicht hergestellt. Doch die reine Fokussierung auf Lithium-Ionen-Antrieb könnte sich als Fehler herausstellen. Eine breitere Debatte um etwaige Wege zu einer sauberen Fahrweise ist dringend geboten. Fakt ist jedoch, dass die synthetischen Kraftstoffe viel mehr Energie verbrauchen als das die Batterien tun. Ihre Wirkungsdichte liegt bei lediglich 13 Prozent.  Für den Verkehr in der Stadt daher eher ungeeignet könnten sie jedoch der Schlüssel zu einer sauberen Schifffahrt und einem rußfreien Luftverkehr sein. 
Bei dem Verfahren wird Wasser und erneuerbarer Strom durch Elektrolyse in eine Art Öl verwandelt, welches sich wiederum zu Kerosin und Diesel weiterverarbeiten lässt. Während in der konventionellen Kraftsstoffproduktion komplexe Verbindung des Rohöls durch z.B. Destillation getrennt werden, läuft der Prozess hier genau anders herum. Üblicherweise entstehen aus unterschiedlichen Verbindungen neue,  vielschichtigere, die dann Dank des Ökostroms das Fahrzeug in Bewegung setzen. Diese Vorgehensweise ist jedoch sehr teuer und würde die Autofahrer*innen noch mehr kosten, als die Anschaffung und Betreibung eines E-Flitzers, von dem man ja nun auch nicht gerade behaupten kann, dass er billig sei. Dennoch hat Verkehrsminister Andi Scheuer (CSU) großes vor. Er will die Emissionen im Verkehrssektor um ein Fünftel reduzieren, einzig durch den Einsatz von E-Fuels. Dies wäre eine Emissionsminderung um viele Millionen Tonnen jährlich. Die Vorstellungen des Bayern haben aber reale Grenzen, denn Expert*innen sehen einen Einsatz in der Fläche bisher nicht. Erst recht nicht, wenn der Liter Kraftstoff plötzlich mehr als zwei Euro kostet. Doch es gibt schon heute Schätzungen, wonach der Preis sich bis 2030 auf nur noch 1,50 Euro senken lässt. Der Anteil bisher liegt bei exakt 0,0 Prozent, ob sich das ändern wird, bleibt abzuwarten. Mehr Fördermittel wären nötig, doch die Bundesregierung bremst. Eine funktionierende Infrastruktur zum Auftanken gäbe es schon mal, im Gegensatz zu den dringend benötigten Ladestationen für E-Autos. 
Ist sich wie immer nicht ganz sicher: Andreas Scheuer
Die Emissionen im Verkehrsbereich sind letztes Jahr jedenfalls auch ohne E-Fules erstmals seit geraumer Zeit wieder leicht zurückgegangen. Fünf Millionen Tonnen weniger klima- und gesundheitsschädliche Gase wurden in die Luft geschleudert. Das mach in absoluten Zahlen trotz allem immer noch stattliche 162 Millionen Tonnen. Um den Trend manifest zu machen können die E-Fuels sicher einen Beitrag leisten. Auch vor dem Hintergrund einer möglichst sanften Gestaltung des Übergangs in der Automobilbranche. Arbeitsplätze könnten übergangsweise gesichert werden und die Zeit bis zur völligen Ausreifung der E-Autos, Brennstoffzellen und was es sonst noch an Alternativen gibt, eleganter überbrückt werden. Für die Wirtschaft im Osten ist dies eine gute Nachricht, kommt doch der derzeit größte Hersteller Sunfire aus dem sächsischen Dresden. 


Quellen: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/diesel-ersatz-der-traum-im-tank-1.4393274;https://www.welt.de/wirtschaft/article191319329/E-Fuels-oder-Elektroautos-Die-Verkehrswende-wird-zur-Glaubensfrage.html;  Fotos: Von Magnus Manske - Eigenes Werk, CC BY 1.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=490; Von Foto: Michael Lucan, Lizenz: CC-BY-SA 3.0 de, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52799196

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