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Schön Autos gucken gehen

Auf der IAA in Frankfurt sollte der Kanzlerin bei ihrem Eröffnungsrundgang diesmal mehr geboten werden als nur schnelle Flitzer - eine Bestandsaufnahme


IAA 2019 - fast wie damals, nur mit mehr Lack
So weit das Auge reicht stehen die neuen Elektrofahrzeuge von VW in der Messehalle verteilt. VW ID.3 wird der erste serienmäßige Wagen des Konzerns, welcher schon ab diesem Winter für die Massen von den Bändern rollt. Der Unternehmens-Chef Diess will, dass die E-Mobilität "in der Mitte der Gesellschaft" angelangt. Dafür setzen die Wolfsburger voll auf strombetriebene Fahrzeuge und auch der Kanzlerin scheint das bei ihrem geführten Streifzug durch die Showrooms zu gefallen. 
Bei BMW ist man* sich da nicht ganz so sicher. Zwar wird schon seit längerem ein reiner Elektroflitzer durch die Münchner gebaut, allerdings ist seitdem kein neues Modell auf den Markt gekommen. Das soll sich zwar nun auch ändern, doch setzen die Bayerischen Motorenwerke auch auf Wasserstoffantrieb. Problem dabei ist zurzeit jedoch, dass die Herstellung von Wasserstoff sowie dessen Transport extrem energieintensiv und deshalb kaum für eine große Produktionsmenge geeignet ist. Andere Unternehmen, etwa Toyota oder Mercedes produzieren hingegen schon KFZ mit Brennstoffzelle. 
Einig sind sich die Hersteller über die Zielstellung, nämlich eine deutlich klimafreundlichere Art und Weise, wie ihre Fahrzeuge betrieben werden. Doch so einhellig der Tenor in diesem Punkt, so unterschiedlich sind die Auffassungen darüber, wie an diese Marke gelangt werden soll. Eine Wahl bleibt keinem der großen Autobauer, schließlich gelten ab 2020 neue Grenzwerte. Jedes ab da verkaufte Auto darf nicht mehr als 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Wenn der Wert überschritten wird, kommen 95 Euro Strafe für jedes auf die Straße gebrachte Mobil auf die Hersteller zu. Das kann am Ende eines Jahres schon mal ein stattliches  Sümmchen ergeben und die Bilanz der Konzerne in den Keller treiben. Verhindern können sie das nur durch saubere Antriebe. Allein VW will im kommenden Jahr 200.000 E-Flitzer verkaufen. Mit dem in Zwickau produzierten ID.3 soll dazu der Grundstein gelegt werden. Ob das den alten weißen Männern, die das Hauptpublikum der Internationalen Automobilausstellung ausmachen, gefällt wird auch das Marketing entscheiden.
IAA 1911 - fast wie heute, nur in schwarz-weiß
Natürlich kommt die Branche dabei nicht umhin ihr Leid gegenüber der Politik zu klagen, die angeblich nicht in der Lage sei ausreichend gute Rahmenbedingungen für das Gelingen ihrer Vorhaben zu setzen. Es fehle an nachhaltigen Kaufanreizen und einer soliden Ladeinfrastruktur, so der Vorsitzende des europäischen Automobilverbandes am Eröffnungstag der IAA. Ein doppelschneidiges Spiel, fordern die Hersteller doch wenn es um Restriktionen geht meist größtmögliche Zurückhaltung aus der Politik, bei Subventionen, Förderung und Hilfen stehen sie dann aber ganz vorne an. Dabei fahren die Megakonzerne seit Jahren satte Gewinne ein, von denen sie, anstatt sie in Form hoher Dividenden an ihre Aktionär*innen auszuzahlen, lieber noch ein Stück mehr in Forschung und Entwicklung stecken sollte. VW hat mit seinem 25 Milliarden Euro Investitionsprogramm da immerhin schonmal einen Anfang gemacht. 
Diese IAA könnte ein Startpunkt in eine neue Zeit sein, in zwei Jahren, wenn sich die Hersteller wieder in Frankfurt treffen, ist dann eine erste Abrechnung möglich. 


Quellen: S. Winter, LVZ 12.9.19 "Ist das die Zukunft?"; Fotos: Von Bundesarchiv, Bild 102-00894 / Georg Pahl / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5479232; Von Alexander Migl - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=82066938

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