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Patriarchat in vierter Generation

Bei den Porsche-Piëchs steht ein Generationswechsel ins Haus.

Stuttgart Killesberg, seit jeher Stammsitz der Familie Porsche und Heimat des obersten Clan-Führers Wolfgang Porsche, welcher in diesem Jahr 75 wird. Ein stolzes Alter für einen stolzen Mann, der seine Firma schon durch einige Stürme manövriert hat. Gemeint ist die Porsche Holding SE, eine europäische Aktiengesellschaft, an welcher die Familie mit 100 Prozent beteiligt ist. Die Porsche SE wiederum ist die größte Aktieneignerin bei VW, mit über 50% Anteilen. Diesen Brocken zu verwalten war nie leicht und wurde durch Familienstreitigkeiten, wie jüngst mit dem einstmals mächtigsten Mann der Familie, Ferdinand Piëch, noch erschwert. Dieser wollte seine Frau Ursula als neue starke Person im Unternehmen platzieren, was dem Rest der Verwandtschaft aber so gar nicht gefiel. Im Ärger darum, trat der alte Herr von sämtlichen Ämtern zurück und verkaufte alle seine Aktienanteile (siehe dazu auch Diesel-Dossier Teil 1 UND 2). 
Daraufhin sah einer seine Chance gekommen, der jahrelang im Schatten seines Bruders agierte, Hans Michael Piëch kaufte alle Wertpapiere seines Bruders und ist damit formal nun der einflussreichste Aktionär. Er wollte mit dem Kauf ein "Signal der Kontinuität" setzen. In diesem Stil verfährt die Familie von Anbeginn, Investoren von außen brauchen gar nicht erst anklopfen und an vertrauten Manager*innen wird seit Jahren festgehalten. Das wirft aber auch deutliche Probleme auf, denn die Kontrolle zwischen Aufsichtsrat und VW AG läuft nicht reibungslos und keineswegs ohne Unsauberkeiten. 
Jüngst wurde der Aufsichtsrat um drei externe Mitglieder erweitert, welche neue Expertise ins Unternehmen bringen sollen, darunter ein Anwalt, welcher seit Jahren treu an der Seite der Porsches steht. 
Dazu kamen drei Mitglieder der Urenkel von Käfer-Erfinder Ferdinand Porsche.
Stefan Piëch (Sohn von H. M. Piëch und Unternehmer in der TV-Branche) , Daniell Porsche (ein Waldorf Pädagoge mit Affinitäten für moralisch unbedenkliche Projektfinanzierung) und Josef Ahorner (Mitglied im Audi Aufsichtsrat).
Dieser Neuerung ging ein kompliziertes langwieriges Verfahren voraus, welches an seinem Ende nun diesen Schritt zur Folge hatte, ob sich die drei bewähren, wird sich zeigen. Doch eine Frau findet noch immer keinen Platz zwischen den Männern eines der mächtigsten Familien Deutschlands, so sieht Fortschritt sicher nicht aus, der Schritt in die Moderne gelingt dem Unternehmen wohl noch genauso holprig, wie der Eigentümer-Familie.


Quelle:  FAZ, G. Meck, 11.3.18; Foto:https://www.wiwo.de/unternehmen/auto/der-porsche-clan/19534720.html

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