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"German Tragedy"

Wie ein Experte über die deutsche Autoindustrie denkt.



Ferdinand Dudenhöffer, der einst von der ZEIT als "freundliche Nervensäge der Autoindustrie" gelabelt wurde, ist mehr als nur ein Experte auf seinem Gebiet. Man könnte fast meinen, er ei eine Art Guru, aber dieser Titel wäre wohl selbst ihm zu viel, vielleicht anders gesagt, ein Primus inter pares, unter den Gelehrten, welche sich mit Automobilen und der Produktion beschäftigen. In zahlreichen Interviews hat er sich stets auf den Punkt genau zu Ereignissen in der hiesigen Branche geäußert und es dabei stets vermeiden auch nur ein Blättchen vor den Mund zu nehmen. Opel drohte ihm einst mit Klage, weil er Insolvenz prognostizierte, auch mit dem größten deutschen Automobilclub ADAC steht er auf Kriegsfuß, seit er eine Art Monopolstellung der gelben Engel konstatierte. Nichts desto weniger versucht er stets unvoreingenommen, manchmal auch etwas zu kühl, an die Dinge heranzugehen. Berühmt ist er für seine Geduld, mit welcher er Fragen interessierter Journalist*innen beantwortet, wie jüngst gegenüber Horizont:
Gleich zu beginn macht er seiner Verärgerung darüber Luft, dass der Skandal international kaum mehr Wellen schlägt oder es je getan hat, so sei der Diesel in China völlig irrelevant, dort interessiere man sich nur für eigene Angebote, also hauptsächlich Benziner und Stromer,  in den vereinigten Staaten indes sieht man die Strafe für dortige Vergehen als abgegolten an (mit immerhin 25 Mrd. an Strafzahlungen bisher), so meint der promovierte Volkswirt zu resümieren, es handle sich in der Konsequenz um ein (fast) rein deutsches Problem. 
Und die Verbraucher*innen? Die können nix tun, außer andere Autos zu fahren. Die Glaubwürdigkeit liegt bei kleiner Null, sofern es das gäbe, könnte man die Analyse von Professor Dudenhöffer bezüglich der Autoindustrie beschreiben. Auch er fordert, genau wie DIE LINKE verpflichtende Hardware-Nachrüstungen für alle betroffenen Fahrzeuge, nur "Werbevideos und Imagefilme nach dem Motto ´Wir wollen uns bessern´ bringen nichts, so der 67jährige.
Auch das Polittheater in Kooperation mit der Automobilwirtschaft, namentlich dem CEO von Daimler Dieter Zetsche kann der an der Universität Dortmund-Essen lehrende nichts abgewinnen und betitelt das angebliche ´harte Durchgreifen´von Verkehrsminister Andi Scheuer (CSU) denn auch als reinen "Theaterdonner", anstatt sich die Autobosse wirklich zur Brust zu nehmen, bleibe es bei Wischt-Waschi-Aktionen, die vor Inkompetenz nur so strotzen würden.

Ein vernichtendes Urteil, von einem Mann, der seit vielen Jahrzehnten eng mit den Themen rund um das deutsche Auto vertraut ist. In seiner Karriere hat er unter anderem Stationen bei Opel, Porsche und PSA absolviert. Dabei lies er sich aber keineswegs in die Mühlen der Konzerne einspeisen, sondern bewahrte sich eine kritische Sicht auf die Dinge stets mit dem ziel vor Augen, eine Unfall- und emissionsfreie Autowelt zu erschaffen. In die Lehre wechselte er 1996. Bis 2008 blieb er in Gelsenkirchen, ehe er dann nach Duisburg ging, wo er auch das CAR ( Center Automotive Research), dem er heute noch vorsteht mitbegründete und unter anderem zu autonomen fahren forscht.


Quellen: https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/Autoexperte-Ferdinand-Dudenhoeffer-Ein-beispielloser-GAU-167830?utm_source=%2Fmeta%2Fnewsflash%2FHORIZONT_vor_9&utm_medium=newsletter&utm_campaign=nl131&utm_term=cab155a3d0c3782efa3e90684a8e4969; https://www.zeit.de/2015/10/ferdinand-dudenhoeffer-automobilindustrie-auto-expertehttps://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Dudenhöffer; Foto: https://www.produktion.de/nachrichten/unternehmen-maerkte/dudenhoeffer-psa-muss-bei-opel-hart-sanieren-355.html; https://de.wikipedia.org/wiki/Universität_Duisburg-Essen

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