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Ring of fire

Von Aufstieg und Fall des Audi-Chefs Rupert Stadler


Am Montag kam die Nachricht: ab heute Schwedisch Gardinen, statt Büro in Ingolstadt. Die Staatsanwaltschaft München II hat die Festnahme des seit elf Jahren amtierenden Leiters von Audi angeordnet. Grund dafür: es besteht eine Verdunklungsgefahr im Zusammenhang mit der Abgasaffäre, diese allein reiche schon aus, um vorläufig in Haft zu kommen, so der zuständige Staatsanwalt. Die Anklage zum Verfahren lautet, "Betrug und mittelbare Falschbeurkundung". Stadler soll trotz des Wissens um die Manipulationen, in Deutschland keinen Vertriebsstopp für die betroffenen Fahrzeuge angeordnet haben, dies sei nur in den USA geschehen. 
Dem vorerst letzten Akt dieses Spektakels, waren schon einige, warnende Aktionen vorausgegangen, so wurden Anfang 2017 und 2018 bereits Durchsuchungen in der Firmenzentrale in Ingolstadt und im Stammwerk Neckarsulm, wo Audi bis 1985 auch seine Hauptsitz hatte,  durchgeführt. Ein Manager, der auch für Audi wirkte, sitzt bereits in Haft (siehe dazu auch Diesel Dossier 2). Erst letzte Woche kam dann die private Wohnung von Stadler an die Reihe, da man vermutete, er könnte gerade im Begriff sein, Beweismittel verschwinden zu lassen. Mit ihm steigt die Zahl der Angeklagten in der Causa Diesel-Gate auf nunmehr 20. 
Der 55-jährige aus Titting kam bereits 1990 zu Audi und begann dort seine Karriere im Bereich Controlling, ehe er sich 2006 bis ganz nach oben gearbeitet hatte und den Vorstandsposten von Martin Winterkorn übernahm, welcher an die Spitze der Konzernmutter VW wechselte. Der 1963 geborene Betriebswirt führte Audi erfolgreich und machte den Slogan "Vorsprung durch Technik" zum Markenzeichen seines Unternehmens. Doch 2015 geriet Audi mit bekanntwerden des Diesel-Skandals ins Schlingern. Viele Weggefährten um Stadler mussten daraufhin ihren Hut nehmen, nur er geriet erst langsam ins Wanken, fiel dann aber umso schneller. 
Die Vorwürfe machen sich konkret an einer Präsentation fest, die Stadler 2015 den Behörden vorgeführt haben soll. Die Angaben auf den Folien entsprachen aber vermeintlich nicht der Wahrheit und sollen so zur Vertuschung des Ausmaßes der Manipulation, deren Keimzelle im übrigen von Audi entwickelte Motorentechnik ist, beigetragen haben. Alleine bei den Ingolstädtern handelt es sich um 220.000 betroffene Fahrzeuge. 
Ob die Verhaftung eines der wichtigsten Glieder in der Führungsformation der VW AG und seiner Töchter endlich zu einem Umdenken im Umgang mit der Aufklärung der Vorwürfe im Unternehmen führt, kann nur zu hoffen sein.

Quellen: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/audi-chef-rupert-stadler-festgenommen-a-1213533.html; https://de.wikipedia.org/wiki/Rupert_Stadler; Fotos: https://de.wikipedia.org/wiki/Audi

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