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Da ist die Luft raus

Eine LINKE Sommerkolumne rund ums rollende (Un-)glück.


Aktuell und damit meine ich seit (gefühlt) der letzten Eiszeit, ist es heiß im Land der Kartoffel (dieses Jahr deutlich kleiner) und des Bieres (dieses Jahr deutlich teurer), dazu kommen noch die laufenden Sommerferien überall im Land und d.h. wirklich überall, denn in dieser Woche haben noch alle 16 Gliedstaaten der im wahrsten Hymnensinne, im Glanze blühenden Republik, Beschulungspause.
Bei ihr läuft es gerade rund.
Was das für die Autobahnen bedeutet, mag wohl jedem*r klar sein, dessen Birne von der Schwüle noch nicht allzu sehr vernebelt wurde. Kilometerlange Staus, den Schlangen beim SSV im örtlichen Trendmodegeschäft gleich, ziehen sich durch die Lande. Doch als wäre die häufig eigenverschuldete Teilnahme an diesem Spektakel nicht schon genug, erwarten einen auch noch Baustellen zur Linken und zur Rechten die Länge der Wartereihen zu potenzieren und unverhofft tun sich dann am Horizont auch noch Blow-ups auf, wenn der Asphalt so sehr zu schwitzen beginnt, dass er einfach irgendwann aufplatzt, droht die schnurgerade Autobahn zur Startbahn eines Autoflugfeldes zu werden. Da nützt auch kein Elektrostromer mehr, denn wenn man in der Schlange steht sind alle gleich, egal ob sechs Zylinder oder keiner, stehen können alle gleich gut, außer vielleicht die zweirädrigen Gesellen, welche sich, ordnungswidrig und unter die Höchststrafe bedeutenden Blicken, zwischen genervten Autofahrer*innen hindurchschlängeln, um sich in waghalsigen Manövern Richtung Zielort zu manövrieren, was meist soviel heißt, wie den nächsten Bikertreff in Herne-Süd oder Dillingen-Schwenigen anzufahren, um sich dort bei Gabis Autoraste mal wieder die Kolben vollzulöten.
Der Benzin- und Dieselverbrauch in der mobilen Sauna steigert sich dabei um ein vielfaches, denn Klimaanlage und Standgas sind die größten Feinde des Verbrauchs pro 100 (stillgestandene) Kilometer.
Da haben es die an dieser Stelle viel gepriesenen E-Flitzer schon besser, verwunderlich nur, dass noch niemand auf die Idee gekommen ist, ihnen serienmäßig ein Solarmodul aufs Dach zu setzten, so könnte wenigstens das Autoradio, aus dem in Dauerschleife die größten Sommerhits schallen, autark betrieben werden.
Paradoxerweise verschärfen all jene, die sich über Hitze und schlechte Luft beschweren, mit ihrem Abgassmog noch zusätzlich die Situation, indem sie munter und fröhlich Stickoxide, Methan und CO2 in die Luft verteilen, anstatt sich im heimischen Pool oder dem nahegelegenen Freibad zu vergnügen, muss es ja immer gleich Borkum, Langeroog, Sylt oder Rügen sein, der Inselname darf dabei nicht extravagant genug klingen, denn umso exotischer die Ziele an Nord- und Ostsee anmuten, umso mehr vermeintliches Staunen wird man bei den anschließenden Diashowvorträgen in heimischen Partyräumen ernten, allerdings reduziert sich die Urlaubszeit durch lange Fahrten und noch längeres im Stau stehen, deutlich, was den ein oder anderen Gast der Urlaubsberichterstattung sicher nicht all zu sehr ärgern dürfte.
Dann doch lieber Zug, wenn denn die Kühlung funktioniert, die Strecke frei ist, Wagenreihung und Gleis richtig angegeben sind, das Bordrestaurant nicht fehlt, der Zug keinen Bahnhof anzufahren vergisst und ach ja, überhaupt kommen sollte er vielleicht auch noch, aber das sind im Vergleich ja nun wirklich keine großen Probleme, denn bekanntlich ist es in den großen Bahnhofshallen dieses Landes ja immer angenehm kühl, da wartet man doch gerne mal ein zwei Stunden länger auf seine Fahrt zum kleinen Glück.

Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Sonne#/media/File:Sonne_Wasserstoff-alpha-Filter.jpg

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