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Aufbruch a la Elektro

Trotz aller Kritik, vielleicht könnte dem Elektroauto doch mal der Durchbruch gelingen - dafür bedarf es aber noch einiger Anstrengung


Noch spricht die Innovationskraft deutscher Hersteller gegen den herbeigesehnten Elektro-Schwung, der bald zahlreiche Haushalte in der Bundesrepublik durchwirbeln soll. Lediglich drei Prozent geben BMW und VW für Entwicklung und Forschung im Bereich E-Mobilität aus, bei Daimler ist es gar nur ein Prozent. Noch schauriger wird einem, wenn man erfährt, dass diese Unternehmen im internationalen Vergleich eigentlich zu denjenigen gehören, die am innovativsten agieren. Allerdings scheint sich der Forschungsdrang momentan auf Assistenzsysteme und digitale Vernetzung zu beschränken. Positiv einher geht damit jedoch auch, dass in den Segmenten, welche Verbrennungsmotoren betreffen, ebenfalls eine niedrige Quote zu verzeichnen ist, vielleicht ein Zeichen dafür, dass sich die Autobauer nun den Zukunftstechniken zuwenden und ihren Fokus wechseln. 
will Batterien bauen lassen: Wirtschaftsminister
Altmaier (CDU)
Das "Center of Automotiv Management" sieht traditionelle Hersteller in seiner Komparatistik auch von aufstrebenden neuen Fahrzeugbauern, wie etwa Nio aus China bedroht. Im Luxussegment macht vor allem Tesla den geschichtsträchtigen Unternehmen Konkurrenz. Diese neu am Markt agierenden Player fangen gar nicht erst an in die Entwicklung herkömmlicher Antriebe und Ausstattungen zu investieren, sondern konzentrieren sich von vornherein auf autonome Fahrweise und emissionsfreien Antrieb. Dem versuchen hiesige Hersteller wie BMW mit Dienstleistungen ("Car2go" usw.) zu begegnen, geraten dabei dennoch in Gefahr ihre Entwicklungstätigkeiten in den zukunftsfähigen Segmenten zu vernachlässigen. 
Noch ist das Rennen offen, am Ende steht Sieg oder Niederlage. Laut einer repräsentativen Umfrage der Kreditanstalt für Wiederaufbau gaben 16 Prozent der Befragten an, sich ein Elektromobil zulegen zu wollen (bisher besitzen dies nur 2 Prozent der deutschen Haushalte). Als abschreckend empfanden die Interviewten nicht etwa die Preise, sondern die schlechte Ladeinfrastruktur, sowie die Angst vor geringer Reichweite. An ersterer Stellschraube bedarf es auch durch die Politik endlich Hand anzulegen und ein einheitliches, dichtes und leistungsfähiges Ladenetz zwischen Saarland und Elbsandstein-Gebirge zu schaffen. Für den zweiten Punkt hingegen hilft auch die Politik nicht, hier müssen die heimischen Hersteller endlich besser werden. Vielleicht auch dank neuer Batterien. Allerdings gibt es hierzulande kein einziges Forschungslabor von Daimler und Co mehr, welches sich mit diesem Problem auseinandersetzt, alle Fabriken befinden sich in der Hand ausländischer Konzerne. 
Nun will Wirtschaftsminister Altmaier auch hier versuchen politisch etwas zu bewirken und die Akkuentwicklung mit einer Milliarde Euro fördern. Dafür bringen sich bereits drei Konsortien in Stellung, welche auf die Förderbewilligung im nächsten Jahr warten, um schon 2021 mit der Produktion von Lithium-Ionen-Batterien starten zu können. Lohnenswert ist die Herstellung dieser kleinen Einheiten nur in großer Stückzahl, weshalb große Anfangsinvestitionen nötig sind und renommierte Firmen wie BOSCH zurückschrecken lassen, weil man nicht noch einmal ähnlich abgestraft werden möchte wie einst bei der Entwicklung von Solarzellen. Von den meisten damals gegründeten Unternehmen existiert fast keine mehr, alle überrannt von der Konkurrenz aus Fernost. Die Bundesregierung will mit dem Geld nun eine Art Anschub leisten, was viele kritisch sehen, die finden, die Autoindustrie habe so schon genug Geld und müssen nun nicht auch noch für ihre Verpenntheit in Sachen Batterie belohnt werden. 
Es gibt inzwischen schon große Anbieter wie LG und Samsung, die in den europäischen Markt drängen und drohen die deutschen Autobauer in eine Abhängigkeit zu treiben, anstatt selbst neue Arbeitsplätze, mit Zukunft zu schaffen, z.B. in vom Strukutrwandel betroffenen Regionen wie der Lausitz. 
Der Erfolg hängt am Ende auch hier von den Absatzzahlen ab, die sich wiederum an der Weiterentwicklung der Fahrzeuge und der Kaufkraft der Verbraucher*innen ableiten lässt, welche wiederum von oben genannten Faktoren abhängt. So schließt sich der Kreis, wie bei einer Batterie.

Quellen: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/stromer-fuer-den-massenmarkt-energiewende-auf-der-strasse-und-in-den-koepfen-1.4106870; http://www.fr.de/wirtschaft/asien-altmaier-will-batteriefabriken-foerdern-a-1620433; http://www.fr.de/wirtschaft/asien-altmaier-will-batteriefabriken-foerdern-a-1620433,2 Foto:Von CDU Kreisverband Saarlouis/Jan Kopetzky - https://www.cducsu.de/abgeordnete/peter-altmaier, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73800315; Von Unbekannt - Vektordaten: SVG aus https://www.nio.io/ entnommenFarbinfo: Screenshot von https://www.nio.io/, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=71688460

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