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Du machst mich rasend.

Auf deutschen Autobahnen gilt noch immer kein durchgängiges Tempolimit - Schluss damit !



Einsames Deutschland.
In Skandinavien läuft die Zeit langsamer als hierzulande, so das Bild der Mitteleuropäer*innen gegenüber den Nachbarn im Norden. Dementsprechend scheint es nur konsequent, wenn der schwedische Autobauer Volvo nun die Geschwindigkeitsobergrenze seiner PKW bei 180km/h abregelt. Eine Kehrtwende im Wettlauf um immer schnellere und stärkere Automobile, mit denen man*frau, zumindest auf deutschen Autobahnen ungebremst durch die Gegend heizen kann. Auch die mittlerweile zur chinesischen Firma Geely gehörenden Autobauer spielten dieses Theater lange mit und trimmten ihre Modelle auf Tempo 250. Doch als erste erkennen sie nun, dass eine nach oben offene Spirale nicht zielführend scheint, zumal vor dem Hintergrund der aufkeimenden E-Mobilität Reichweitenprobleme bei überhöhten Geschwindigkeiten eine zunehmende Rolle spielen. Volvo-Chef Hakan Samuelsson mahnt dennoch zu Recht moralische Gründe für die weitreichende Entscheidung an, allerdings ist es dem Konzern nicht zur Gänze uneigennützig, schließlich spart es immense Kosten, wenn Bremssysteme niedrigeren Belastungen standhalten müssen als bisher und die Leistung von Elektroautos besser in den Griff zu bekommen ist. Für einen sichereren Verkehr auf den Straßen wird das allemal sorgen, wenn schon die Politik der BRD keine Anstalten macht, die Tempobegrenzung auf Fernverkehrsstraßen einheitlich festzulegen, muss eben die freie Wirtschaft handeln (sic!). 
Es bleibt hernach ein Faktum, dass durch unkontrolliertes Rasen deutlich mehr Unfälle verursacht werden, denn die Beherrschung des eigenen Fuhrwerks ist bei 300 Sachen einfach nicht mehr möglich und eine adäquate Reaktion auf Gefahrensituation de facto ausgeschlossen. Laut deutschem Verkehrsrat gibt es sehr wohl eine Korrelation zwischen Zahl der Verkehrstoten, bzw. Schwerverletzten und Tempolimit. So starben 2016 auf den insgesamt 2/3 der Autobahnen, auf denen keine generelle Beschränkung gilt 26% mehr Menschen, als auf den restlichen 33 Prozent Strecke. Bedenken muss man allerdings, dass die Zahl der Verkehrstoten auf Schnellstraßen im europäischen Vergleich einen mittleren Rang einnimmt, jedoch liegt dies häufig an veralteten Fahrzeugen oder gefährlicheren Fahrweisen in Ländern wie Polen oder Litauen. In mit Deutschland vergleichbaren Staaten (etwa die Niederlande), liegen die Durchschnittswerte deutlich unter denen hierzulande.
So langsam nun auch wieder nicht.
Nicht weniger wichtig ist der Umweltaspekt, denn wer schneller von A nach B fährt, verbraucht auch deutlich mehr Benzin oder Diesel. Die giftigen Abgase, wie NOX oder CO2 werden dann munter in die angrenzenden Naturräume, Städte oder Agrarflächen gepustet, wo sie ihr übriges tun. Das UBA errechnete eine CO2-Einsparung von drei Millionen Tonnen jährlich, sofern die Geschwindigkeit auf 120km/h beschränkt würde, das entspräche immerhin drei Prozent weniger Emissionen, als die Gesamtmenge der von PKW ausgestoßenen Abgase. 
DIE LINKE fordert schon seit langem eine Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit, denn Deutschland ist der letzte EU-Staat, in dem es keine solche Regelung gibt (siehe Karte). Um dem Anschein einer reinen Verbotspolitik entgegenzuwirken, fordern und fördern wir zugleich den Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel. Wer schnell fahren will, kann sich schon heute in einen ICE setzen und mit 300km/h durch den Thüringer Wald fahren, ist auch eh viel entspannter und lesen kann man*frau nebenbei auch noch. 


Quellen: Haas, Simon: https://www.schwaebische.de/sueden/baden-wuerttemberg_artikel,-sind-autobahnen-mit-tempolimit-sicherer-_arid,10784485.html; Maak, Niklas: "Sie sind alle auf 180", FAS, 10.3.19; Foto: Von Lienhard Schulz, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23861117; Von Freeway_speed_limits_europe.png: KaterBegemotderivative work: ProloSozz (talk) - Freeway_speed_limits_europe.png, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17540199

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