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Ab durch die Mitte

Bei der Automobilwende geht es in Europa meist nur schleppend voran. In China sieht es anders aus, wie eine Stadt im Süden des Landes beweist.



Während hierzulande seit geraumer Zeit die ersten Erprobungen von E-Bussen oder Hybridvarianten für den öffentlichen Nahverkehr auf nur sehr vereinzelten Strecken getestet werden, ist man in China mal wieder um Längen weiter. In der Mega-City Shenzhen fahren alle Busse der Nahverkehrsunternehmen komplett abgasfrei. Dabei verlangt Peking eigentlich nur eine Quote von 15 Prozent. Dafür mussten die regionalen Versorgungsfirmen etwa 230.000 Euro pro Vehikel in die Hand nehmen, zur Hälfte vom Staat subventioniert. Das macht bei 16.000 Bussen alleine in der 12 Millionen-Einwohner*innen Metropole einen gewaltigen finanziellen Kraftakt nötig. Am Ende haben sich die Strapazen aber gelohnt. Die Kosten, welche für die Aufladung der Fahrzeuge anfallen, sind nur halb so hoch wie die für den benötigten Dieselkraftstoff zuvor. Auch sind die Emissionen bei Feinstaub, Stickoxiden und natürlich CO2 drastisch gesunken. Im Vergleich zum vorherigen Verbrauch macht das eine Reduktion von 440.000 Tonnen Kohlendioxid.  Viele Menschen in Shenzhen brauchen sich nicht mehr vor giftigem Smog zu fürchten, wenn sie an einer Haltestelle warten. Das gleiche gilt für die Lärmbelastung. Heute sind die sich öffnenden Türen das lauteste am ganzen Bus. Einige Fahrgäste, so ein zuständiger Mitarbeiter, hätten schon nachgefragt, ob man nicht künstliche Geräusche erzeugen könne, damit der herannahende Bus zu hören sei. Über steigende Preise für die Fahrkarten beschwert sich hingegen niemand. Dank der Unterstützung von staatlicher Seite und den eingesparten Unterhaltskosten können diese nahezu konstant gehalten werden. In Deutschland ein undenkbarer Zustand - jedes Jahr geht es rauf, als Grund werden häufig steigende Energiepreise angeführt. Im kommunistischen China ist ÖPNV hingegen ein soziales Gut und wird daher von der Regierung besonders unterstützt. 
Busse sind sauber, PKW müssen noch nachholen:
große Straße in Shenzhen
Bis in zehn Jahren wollen dem Modell der südchinesischen Großstadt 30 weitere folgen. Allerdings will die Zentralregierung die Subventionen deutlich zurückfahren und auch die vorhandenen Ladestationen sind ein Problem. So gibt es keine ausreichende Bereitstellung dieser in den Städten. Allein aus privaten Mitteln ist es für die Unternehmen jedoch kaum leistbar ausreichend Kapazitäten zur Verfügung zu stellen. Erst recht wenn auch noch, wie jetzt in Shenzhen geplant, eine gesamte Taxiflotte auf E-Antrieb umgerüstet werden soll. Hier hat sich eine Firma immerhin schon einmal Gedanken gemacht und eine App entwickelt, die die nächste freie Ladesäule in der näheren Umgebung anzeigt. Langes Suchen dürfte, sofern genügend breit verteilte Lademöglichkeiten bestehen, also kein Faktum sein. Für die Busse wurden riesige Depots errichtet, in denen sie nachts für zwei Stunden neue Energie tanken können. Bei voller Ladung reicht das für 200km. In einer Stadt genügend, um einen Tag lang auszukommen. 
Für die sowieso schon vom Stress, schlechter Luft und lauten Geräuschen geplagten Chines*innen könnte es ein erster Schritt zu mehr wohlbefinden sein. Bleibt nur zu hoffen, dass die für die Herstellung der Busse genutzte Energie nicht aus den überall entstehenden Kohlekraftwerken im Reich der Mitte entstammt, welche vor allem der Dorfbevölkerung das Leben immer schwerer machen. 
fast schon romantisch: Skyline von Shenzhen
So radikal und schnell wie im autoritären China, kann es in der Europäischen Union sicher nicht gehen. Doch auch wenn die demokratischen Mühlen (zum Glück) etwas langsamer mahlen, braucht das noch lange nicht zu heißen, immer nur hinten anzustehen. Es braucht endlich eine breite Elektrooffensive. Mehr öffentliche Ladesäulen, mehr elektrische Busse, Ausbau von Straßenbahn- U- und S-Bahn sowie endlich günstige Ticket-Preise, welche für alle bezahlbar sind.







Quelle: M. Keegan, der Freitag, 21.3.19, "Von Diesel keine Spur"; Foto: Von Simbaxu - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51521658; Von Mauchai - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7650610

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