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Wer mit seinem E-Flitzer durch die Republik rollt, sollte sich nicht allzu viel vornehmen.



Es ist ein ganz normaler Werktag, an dem sich ein umweltbewusster Manager der gehobenen Mittelklasse auf den Weg durch die süddeutsche Provinz macht, um seinen Termin in einiger Entfernung zu erreichen. Mit seinem neuen Wagen, einem Audi e-tron, will er die Strecke schnell hinter sich bringen. Doch dann ist der Saft alle. An eine Tankstelle kann der Elektro-Auto-Nutzer nicht fahren. Jedoch gibt es inzwischen mehrere tausend Ladesäulen im Land, die eigentlich für ein schnelles Weiterkommen sorgen sollen. Der geneigte Audi-Fahrer hat sich auch noch an eine solche retten können. Zwischen Geranien und Petunien eines großen Garten-Centers mit idyllischen Gewächshäusern. Es gibt nur ein Problem: das Kabel lässt sich nicht aus der Säule lösen. 
Knubel passt nicht überall, um sich anzustecken
So was kann ja mal passieren denkt sich unser treuer E-Mobilität-Fan und ruft bei der zuständigen Nummer gegen Ladehemmung an. Die freundliche Dame am anderen Ende der Leitung hat Strom, im Vergleich zu unserem langsam hippelich werdenden Fahrer. Da er ein sehr arbeitsamer Herr zu sein scheint, ist es noch vor 10 Uhr, die Techniker*innen, welche ihn aus seiner misslichen Lage befreien könnten, haben ihre Schicht noch nicht angetreten. Es dauert gefühlte Lichtjahre, ehe ihr der Geistesblitz kommt, von Ferne gelingt es ihr die Säule zurückzusetzen und siehe da, es werde Licht, oder eben Strom. Der 106.000 Euro teure Flitzer kann nun endlich seine Fahrt, unter dem Jubel der inzwischen auf 100 Menschen angewachsenen Traube um den Anzugträger, fortsetzen. 
Diese Geschichte ist so (zu mindest dem Sinn nach) wirklich passiert und sie wiederholt sich Tag für Tag. Das Navi der neuen E-Generation liefert die Daten zu umliegenden Ladepunkten gleich mit. Allerdings gibt es von den ebenso auf dem Bildschirm aufplopenden konventionellen Tankstellen deutlich mehr. Um die wenigen Punkte die es gibt, muss man* sich dann auch noch streiten, denn im Gegensatz zu den privilegierten Tesla Fahre*innen mit eigenem Ladenetz, müssen sich alle anderen die Stromtankstellen von Eon, RWE und Co teilen. Wenn dann mal eine frei ist, funktioniert und auch noch als Schnellladesäule genutzt werden kann, den Saft also mit über 100kW in den Akku pumpt, kann die Pause auf dem Rasthof wirklich zur Entspannung, zum Auftanken des körpereigenen Akkus genutzt werden. 
sollen sie doch lieber E-Bike fahren, da ist immer was frei
Wer will kann sich von seinem Intelligenten Bordsystem gleich die Route samt Ladestopps planen lassen, blöd nur, wenn das Gerät nicht weiß, ob eine Säule kaputt, besetzt oder nicht kompatibel ist. Eine Telefon-Flatrate wäre an dieser Stelle ratsam, denn die Hotline für mehr oder weniger schnelle Hilfe wird des öfteren bemüht werden müssen, wenn es einmal nicht nur bis zum nächsten Supermarkt gehen soll. Vor der Generation Elektro liegt noch ein weiter Weg. Mit dieser Bundesregierung wird er aber nur schwerlich zu bewältigen sein, denn auch ihr fehlte von Anfang an die Engere für wirkliches Vorankommen in diesem Bereich.





Quelle: https://www.sueddeutsche.de/auto/audi-etron-test-1.4526566; Foto: Von User:Mattes - Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36237624; Von Hadhuey - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45825568

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