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Rennt das Volk dem Wagen hinterher oder umgekehrt?

Wenn Volkswagen etwas will, dann bekommt der Auto-Riese es meistens auch, bei den Zielen in der E-Mobilität könnte das anders aussehen


Aus besseren Zeiten: Ein alter VW-Golf
Volkswagen ist bekannt für seine Maschinenbauer*innen und Ingenieur*innen, aber für Elektrochemiker*innen wohl eher nicht. Das will der Konzern nun ändern, indem er massiv in die Elektromobilität investiert. Mit über 10 Millionen produzierten Autos im Jahr keine schlechte Ausgangsposition, doch wenn Tesla hinter VW und Toyota mit der drittgrößten Marktkapitalisierung aufwartet, sind das böse Vorzeichen für ein drohendes Überholmanöver der US-Amerikaner, auch wenn deren Outputzahlen deutlich niedriger sind. 
Einen entscheidenden Vorteil hat Tesla außerdem: Der Marktführer im Bereich Elektromobilität hat seine eigene Batteriefertigung in Nevada und Shanghai. Die Wolfsburger hingegen müssen mächtig zukaufen und eingestehen, dass sie selbst gar nicht in der Lage sind, ihre eigene Lithium-Ionen-Akku-Fertigung in der Kürze der Zeit aufzubauen. Stattdessen ist man auf die Belieferung von asiatischen Technologie-Gignaten wie CATL angewiesen, die erst jüngst begonnen haben, eine Fabrik in Erfurt zu bauen, um den europäischen Markt optimaler beliefern zu können. Dabei haben die Zulieferer eine neue, nie dagewesene Marktmacht und können das Verhältnis invers setzen. Sie diktieren jetzt die Preise.
Bei Volkswagen rauschen die Köpfe.
Will Volkswagen aber die Zahlen generieren, die sich der Aktienkonzern vorgenommen hat, reicht nicht nur ein Modularer Baukasten, der als völlig neue Betriebssoftware das Autofahren revolutionieren soll, sondern auch eine adäquate Zulieferindustrie oder eben die eigene Produktion der nötigen Hardware. 
Bis 2025 sind die Ambitionen groß, größer noch als von der Politik vorgegeben. 15 Millionen Autos mit emissionsfreiem Antrieb will Volkswagen auf die Straße bringen, 50 Modelle sollen elektrisch angetrieben werden und noch 25 Jahre später will der niedersächsische Autobauer emissionsfrei sein. Dazu wurden bereits 30 Milliarden investiert, allein in der ersten Entwicklungsstufe. Am Ende wird es schlich und ergreifend darum gehen, wer es schafft, mehr Energie in immer kleinere Batterien zu pressen. Die bisher bekannten Technologien werden bald ausgereizt sein. Genau dort sehen die Entwickler*innen von Audi, VW und Co ihre Chance, sich gegen den kalifornischen Rivalen zu behaupten. Es bleibt festzustellen, dass der Kampf noch lange nicht entschieden ist und dennoch der Sieg der einen oder anderen Seite schneller kommen kann als zu erwarten wäre. 








Quellen: https://www.sueddeutsche.de/auto/vw-tesla-elektroautos-1.4326717; https://futurezone.at/produkte/selbstfahrende-autos-koennen-sicher-sein-aber-der-mensch-baut-mist/400587320; Fotos: Von Vanellus Foto - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33211914;  CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=248202

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