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Stecker rein und glücklich sein

Hybrid-Autos gehen als 0-Emissionen-Fahrzeuge in die Umweltbilanz der Bundesregierung ein, dabei ist ihre Ökoperformance höchst fragwürdig


Plug-in-Hybride scheinen für die stolzen deutschen Autobesitzer*innen die Patentlösung im Ringen um eine umweltfreundlichere Fortbewegung zu sein. Für kurze Strecken kann der klimaneutrale E-Antrieb verwendet und somit die Belastung mit Stickoxiden und anderen Abgasen in den Städten reduziert werden. Sobald es dann in den Urlaub gehen soll, muss keine Rücksicht auf mögliche Reichweitenengpässe genommen werden. Wenn der Saft alle ist, kann einfach der konventionelle Verbrenner zugeschaltet werden, ohne auch nur anhalten zu müssen. 
Schon Anfang des 19. Jhd. erdacht: Hybridauto

Hybridmotor: Schon heute museumsreif
Von der Bundesregierung gibt es obendrauf noch Zuschüsse beim Kauf der schmucken Flitzer, die mittlerweile in der Angebotspalette von allen namhaften Herstellern zu finden sind. Auch beim Thema KFZ-Steuer lässt sich ordentlich sparen und wer in der richtigen Kommune wohnt, kann sich obendrein noch auf Vorzüge wie kostenfreies Parken in der Innenstadt freuen. 
Doch leider sind die Hybriden nicht so klimaschonend, wie landläufig angenommen wird. Vor allem dann nicht, wenn die Besitzer*innen zu faul sind oder es schlicht vergessen, die durchaus nicht ganz billig zu habenden Mobile aufzuladen. Gerne verfallen sie in alte Muster und fahren ausschließlich mit Verbrenner, auch auf kurzen Distanzen. Dann sind die Plug-ins sogar deutlich schmutziger als normale Benziner oder Diesel. Expert*innen gehen davon aus, dass die tatsächlichen Emissionswerte gar 4 mal so hoch sind, wie es bei einer Nutzung für vorwiegend kurze Strecken der Fall wäre. Da die meisten Hybride als Dienstwagen genutzt werden, sind die Strecken also häufig bedeutend länger. Insgesamt sind ihre Emissionswerte bei sinnvoller Nutzung zwar deutlich besser als von Selbstzünder und Ottomotor, doch mit 65 Mikrogramm pro Kilometer etwa beim BMW 2er auch nicht gerade marginal. 
Unterdessen werden die vermeintlichen Klimaschoner immer öfter gekauft. Von 2016 auf 2017 verdoppelte sich gar die Zahl. 2018 wurden hierzulande dann immerhin 31.500 Fahrzeuge abgesetzt. Der Staat gab dafür 65 Millionen Euro Förderung. Bis Ende 2020 ist diese noch möglich, dank einer vom Kabinett beschlossenen Verlängerung. 
Die Grünen kritisieren die Förderpolitik zu recht und wollen stattdessen die Bezuschussung für den Erwerb von E-Autos verdoppeln. Ein schöner Vorschlag zwar, doch leider sind diese für die meisten Menschen nach wie vor zu teuer. Die Forderung entspricht mal wieder Ökokapitalismus in Reinform und stützt noch eine Industrie, die den Wandel jahrelang verschlafen hat und sogar noch betrog. Außerdem geht es nicht darum, die Motorisierung weiter auf diesem Niveau voranzutreiben. Vielmehr sollte endlich eine wirkliche Verkehrswende geschaffen werden. Mehr Rad, ÖPNV und Fußverkehr sind jetzt an der Tagesordnung. Das geht nur mit Infrastrukturinvestitionen und Förderung umweltfreundlicher Verkehrsarten. 
Die Bundesregierung will die Plug-in-Hybride als Brückentechnologie verstanden wissen. Es fragt sich bloß, wo das andere Ufer denn sein soll. 



Quellen: https://www.sueddeutsche.de/auto/foerderung-pluginhybrid-oekobilanz-umweltpraemie-1.4553350; Fotos: Von Autoviva - Flickr: Geneva Motor Show 2011, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14524891; Von Reinraum - Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19874697

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